Chemische Berechnungen von Molekülen

Burkhard Kirste, kirste@chemie.fu-berlin.de

1998-11-17


Kurze Zusammenfassung zum Thema der chemischen Berechnung von Molekülen.

1. Übersicht

2. Ziele

3. Zusammenstellung einiger Abkürzungen

4. Literaturhinweise


1. Übersicht

Die Verfahren zur Berechnung von Molekülen lassen sich grob wie folgt klassifizieren:

  1. Kraftfeld-Rechnungen (molecular mechanics, MM): mechanisches "Kugeln-an-Federn"-Modell eines Moleküls, Spannungsenergie als Summe verschiedener Beiträge (Bindungslängendeformation, Bindungswinkeldeformation, Torsionsspannung, van-der-Waals-Wechselwirkungen und elektrostatische Wechselwirkungen)
  2. Quantenmechanische Verfahren
    1. Valence-Bond-Methode (VB): Ausgehend von Atomorbitalen (AO) werden "Grenzstrukturen" mit lokalisierten Bindungen berechnet, die miteinander in "Resonanz" (Mesomerie) treten können. Dieses u.a. von L. Pauling propagierte Verfahren war bei Chemikern wegen der Darstellungsmöglichkeit durch die gewohnten Valenzstrichformeln populär. (Die Elektronenkorrelation wird bei dieser Näherung überbetont.)
    2. Molecular-Orbital-Methode (MO): Ausgehend von Atomorbitalen (AO) werden nach einem LCAO-Ansatz (Linear Combination of Atomic Orbitals) Molekülorbitale aufgebaut. (Die Elektronenkorrelation wird bei dieser Näherung zunächst vernachlässigt; sie läßt sich nachträglich durch die Konfigurationswechselwirkung (CI, Configuration Interaction) berücksichtigen.)
      1. HMO-Methode: Die von E. Hückel 1931/32 entwickelte "Hückel-Molekül-Orbital"-Methode (HMO) ist eine Einelektronennäherung, in der die Überlappung und die Elektronenwechselwirkung vernachlässigt werden. Die Matrixelemente .alpha. (Coulomb-Integral) und .beta. (Resonanzintegral) werden als empirische Parameter behandelt. Ursprünglich wurden nur .pi.-Elektronen berücksichtigt. Eine Erweiterung ist die "Extended Hückel Theory" (EHT).
      2. semiempirische Verfahren basieren auf den Hartree-Fock-Gleichungen, die nach der SCF-Methode (Self Consistent Field) gelöst werden. Elektronenwechselwirkungsintegrale werden berücksichtigt, jedoch werden Überlappungen vernachlässigt (verschiedene Methoden). Charakteristisch ist die Verwendung von Parametern, die an experimentelle Daten angepaßt werden.
      3. Ab-initio-Methoden verwenden keine an experimentelle Daten anpaßbaren Parameter. Ihr Näherungscharakter rührt aus Vereinfachungen bei der Art und Auswahl der Basisfunktionen her.
      4. Dichtefunktionalmethoden machen sich eine vereinfachte Berechnung des Elektronenaustauschs über ein Funktional der Elektronendichte zunutze. Sie sind einfacher und billiger als traditionelle Ab-initio-Verfahren.


2. Ziele

Vorhersage u.a. von:

Vorteile gegenüber dem Experiment: hypothetische (noch nicht synthetisierte) Verbindungen sowie kurzlebige Zwischenstufen und Übergangszustände können berechnet werden.

Probleme: Zuverlässigkeit fraglich; Rechenzeitaufwand und Kapazitätsanforderung steigen mit zunehmender Molekülgröße sowie anspruchsvolleren Methoden ("ab initio") stark an. MO-Rechnungen sind viel aufwendiger als Kraftfeldrechnungen; letztere sind allerdings zur Berechnung konjugierter .pi.-Systeme nicht brauchbar. Die Rechenzeit ist bei semiempirischen Methoden etwa dem Quadrat der Anzahl der Atome proportional, bei Ab-initio-Verfahren etwa der vierten Potenz der Anzahl der Basisfunktionen.


3. Zusammenstellung einiger Abkürzungen

3.1 Semiempirische Methoden:

CNDO: Complete Neglect of Differential Overlap
INDO: Intermediate Neglect of Differential Overlap
NDDO: Neglect of Diatomic Differential Overlap
MINDO/3: Modified INDO
MNDO: Modified Neglect of Diatomic Differential Overlap
AM1: Austin Model 1
PM3: Parameterization Method 3

3.2 Sonstiges:

STO: Slater Type Orbital (wasserstoffähnliches Orbital)
GTO: Gaussian Type Orbital (Gaußsche Glockenkurve)


4. Literaturhinweise

R. W. Kunz: Molecular Modelling für Anwender. Teubner Studienbücher Chemie

M. Klessinger: Elektronenstruktur organischer Moleküle (Physikalische Organische Chemie, Band 1). VCH

T. Clark: A Handbook of Computational Chemistry. Wiley-Interscience


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