Obwohl wir alle tagtäglich mit Geld zu tun haben, denken doch die wenigsten Menschen tiefer über die Funktionen und Funktionsstörungen des bestehenden Geldsystems nach. Den meisten bleiben die Hintergründe von Währungskrisen unverständlich. Das Wesen des Geldes scheint vielen wie hinter einem Nebelschleier verborgen. Dabei lassen sich wesentliche Zusammenhänge anschaulich darstellen, und je klarer sie werden, um so mehr kommt man ins Staunen.
Zum Beispiel darüber, welche bedrohlichen Fehlentwicklungen die scheinbar selbstverständliche Verknüpfung von Geld und Zins langfristig hervortreibt. So wie der Zinseszins die Geldvermögen im Laufe der Zeit immer schneller anwachsen läßt, so wachsen auch - spiegelbildlich dazu - an anderer Stelle die Schulden, und damit auch die Zinslasten. Gesamtwirtschaftlich betrachtet kann auf Dauer das Wachstum des Sozialprodukts unmöglich mit dem Wachstum der Zinslasten Schritt halten, so daß ein immer größerer Teil des Sozialprodukts "von den Zinsen aufgefressen wird".
Es läßt sich zeigen, daß die Dynamik des Zinssystems fünf Krisentendenzen verursacht oder mindestens verstärkt:
Während sich all diese Krisensymptome in den letzten Jahren deutlich verschärft haben, wird der wesentliche Zusammenhang zum Zinssystem bislang noch viel zu wenig diskutiert - sowohl in der Wirtschaftswissenschaft wie auch in der Politik und in der Öffentlichkeit. Die Problematik des Zinssystems ist immer noch weitgehend ein Tabu. Aber wir kommen nach meiner Auffassung nicht umhin, auch dieses Tabu anzurühren. Wenn es nämlich nicht gelingt, die tieferen Ursachen der Schuldenfallen zu erkennen und zu beheben, wird die Wirtschaft und die Gesellschaft in neue Katastrophen hineinsteuern.
Es scheint mir deshalb geradezu "not-wendig", über konstruktive Alternativen zum bestehenden Geld- und Zinssystem nachzudenken und sie umzusetzen - wenn schon nicht auf gesamtwirtschaftlicher oder globaler Ebene, dann mindestens in lokalem oder regionalem Rahmen. Wesentliche Grundlagen dafür wurden bereits zu Beginn dieses Jahrhunderts von Silvio Gesell gelegt, dessen Erkenntnisse und Vorschläge lange Zeit viel zu wenig Beachtung fanden. Das gerade erschienene Buch von Bernard A. Lietaer über "Das Geld der Zukunft" stellt eine wichtige Ergänzung und Weiterentwicklung auf aktuellem Stand dar und zeigt, wieviele alternative bzw. "komplementäre" Geld- und Tauschsysteme sich weltweit bereits gebildet haben - und wie sie dazu beitragen, wirtschaftlich schwache Regionen wieder zu beleben.