Die Globalisierungsfalle

Ringvorlesung Energie - Umwelt - Gesellschaft

Referent:
Dipl.-Ing. Harald Schumann, Bestseller-Autor, SPIEGEL-Redakteur, Berlin
Ort:
Chemiegebäude Takustr. 3, Hörsaal
Zeit:
Mittwoch, 1997-11-12 18:15 - 20:00 Uhr

Der Prozeß der Globalisierung, verstanden als die transnationale Integration von Märkten, Informationsflüssen und Kulturen, birgt großartige Perspektiven für die Menschheit, insbesondere bei der Sicherung des Friedens und der Bekämpfung der Armut.

Doch die weltweite Durchsetzung der vulgärliberalen Wirtschaftspolitik angelsächsischer Prägung verspielt diese Chance und verkehrt sie ins Gegenteil: Destabilisierung und wirtschaftlichen Niedergang.

Volkswirtschaftlich gemessen steigt in allen beteiligten Ländern der Wohlstand. Aber die Verteilung dieser Globalisierungsgewinne erfolgt höchst ungleich: Während eine wachsende Zahl von Arbeitslosen und Billig-Jobbern mit immer weniger Einkommen auskommen muß, profitieren die Besitzer von Geldvermögen und Aktien von schnell steigenden Aktienkursen und Zinsgewinnen, die sie in der staatsfreien Zone "Weltfinanzmarkt" großenteils steuerfrei vereinnahmen können.

Die ökonomisch gebotene, aber politisch und rechtlich fehlkonstruierte Währungsunion wird diese soziale Spaltung noch vertiefen. Weil damit große Teile der Bevölkerung an den Wohlstandsgewinnen durch die internationale Arbeitsteilung nicht teilhaben, sondern im Gegenteil mit sinkenden Reallöhnen und der Auflösung der sozialen Sicherungssysteme fertigwerden müssen, droht den Wohlstandsländern politische Instabilität und der Siegeszug neuer, rechtspopulistischer Demagogen.

Harald Schumann

geb. 1957 in Kassel. Studium der Sozialwissenschaften und Landschaftsplanung in Marburg und Berlin (Technische Universität). Abschluß als Diplom-Ingenieur mit einer Arbeit über das transnationale Agrobusiness, erschienen als Buch unter dem Titel "Futtermittel und Welthunger" (rororo aktuell, 1985). Von 1984 bis 1986 Redakteur für Umwelt und Wissenschaft bei der Berliner tageszeitung. Von 1986 bis 1990 Redakteur im Wissenschafts-Ressort des SPIEGEL in Hamburg. 1990/91 stellvertr. Chefredakteur beim Berliner Morgen. Seit 1992 Redakteur im Berliner Büro des SPIEGEL. Autor des Buches "Die Globalisierungsfalle" (gemeinsam mit Hans-Peter Martin), das mit dem Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch ausgezeichnet wurde und mit derzeit rund 250000 verkauften Exemplaren der deutschen Ausgabe und Übersetzungen in 18 Sprachen zum internationalen Bestseller avancierte.


Verantwortlich: Elmar Altvater.
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