Es kann davon ausgegangen werden, daß im Laufe der nächsten Zeit die Zahl der Unterzeichner weiter ansteigen wird. Selbst wenn einzelne Schwellenländer wie Indien und Pakistan dem Vertrag fern bleiben und sein Inkrafttreten damit blockiert ist, so wird er doch einen starken politischen Druck entfalten, dem sich kaum ein Land wird entziehen können. Die Wirksamkeit des Vertrages wird auch stark vom Fortgang der atomaren Abrüstung auf anderen Ebenen abhängen. Mit der deutlichen Reduzierung der strategischen Atomarsenale und der Schaffung regionaler atomwaffenfreier Zonen in Afrika und im Südpazifik sind in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht worden, die früher undenkbar schienen. Bedeutsam für die Vertrauensbildung innerhalb der Gemeinschaft der Unterzeichnerländer des Teststoppvertrages wird sein, daß das Internationale Datenzentrum möglichst bald mit seiner Arbeit beginnt. Erfreulicherweise hat man sich darauf verständigt, daß dieser Schritt nicht an das Inkrafttreten des Vertrages geknüpft sein soll. Sobald das IDC im Laufe der nächsten Zeit seine Überwachungstätigkeit aufnimmt, wird das de facto bestehende Teststopp-Verbot sogar einer Verifikation unterliegen, obwohl es de jure noch nicht in Kraft getreten ist und Sonderinspektionen noch nicht möglich sein werden. Ob sich der Vertrag auf Dauer zu einem stabilen Nukleartestverbot entwickelt, hängt davon ab, ob sich die Kernwaffenstaaten (und auch die Schwellenländer) weiterhin an das Moratorium gebunden fühlen und wieweit sie bereit sind, den Forderungen nach weiterer Abrüstung von Kernwaffen entgegenzukommen.
Quellenangabe: Dieser Abschnit "Ausblick" ist kopiert aus dem Artikel von A. Schaper u. M. Birkholz; Phys. Bl. 52 (1996), 1219 - 1224.