Euro - der Rechtsbruch

Ringvorlesung Energie - Umwelt - Gesellschaft

Referent:
Prof. Dr. iur. Karl Albrecht Schachtschneider, Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Universität Erlangen-Nürnberg
Ort:
Chemiegebäude Takustr.3, Hörsaal
Zeit:
Mittwoch, 2001-11-21 18:15 - 20:00 Uhr

Der als Staatsrechtswissenschaftler seit langem hoch angesehene Karl Albrecht Schachtschneider ist für eine breitere Öffentlichkeit in Deutschland besonders dadurch berühmt geworden, dass er am 12. Januar 1998 gemeinsam mit den drei Wirtschaftswissenschaftlern Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling und Joachim Starbatty beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Klage gegen den geplanten Beitritt Deutschlands zur Währungsunion erhoben hat.

Wenige Wochen später ist diese Klageschrift unter dem Titel "Die Euro-Klage" auch als Taschenbuch erschienen, so dass sich jeder Bürger ein eigenes Urteil bilden konnte.

Nachdem wir in unserer Ringvorlesung durch den Vortrag von Bruno Bandulet am 1997-11-19 darauf aufmerksam gemacht worden waren, dass die damals bevorstehende Währungsunion mit bedenklichen Konsequenzen für unsere demokratische Freiheit und den sozialen Frieden verbunden ist, haben auch wir diese Klageschrift gelesen. Wir fanden, dass sie viele in der Öffentlichkeit unterdrückte Informationen enthält, die bei der endgültigen Entscheidung über den Beitritt zur Währungsunion unbedingt diskutiert werden müssten. Darum haben wir alle Abgeordneten des Bundestages und des Bundesrates in zwei Offenen Briefen vom 1998-03-10 und vom 1998-04-19 aufgefordert, sich vor der Abstimmung anhand dieses Taschenbuches über die Rechtslage und über die voraussehbaren Konsequenzen einer solchen Entscheidung persönlich sachkundig zu machen. Aber leider fand kaum einer der Abgeordneten die dafür notwendige Zeit.

Am 1998-10-21 hatten wir dann Karl Albrecht Schachtschneider als Gastredner zum Thema "Despotie oder Freiheit in Europa?" in unserer Ringvorlesung. Für einen Naturwissenschaftler als juristischen Laien ist es eine beglückende Erfahrung, dass das in der Physik geübte logische Denken durchaus auch dabei helfen kann, Schachtschneiders rechtsphilosophische Gedankengänge auf der Grundlage klarer Definitionen zu "verstehen" und seine Schlussfolgerungen als "wahr" zu erkennen und nicht wie ein fremdes Fachwissen "glauben" zu müssen. (Um zu vermeiden, dass man "aneinander vorbei redet", ist es keineswegs überflüssig, wenn Schachtschneider auch auf die Frage eingeht, wie z.B. der oft gedankenlos gebrauchte Begriff "Demokratie" eigentlich definiert ist.) Nur durch Anleitung zu vorurteilsfreiem, eigenen Denken können wir uns der Manipulation durch die Massenmedien entziehen.

Wer diese Erfahrung in Schachtschneiders Vortrag vor drei Jahren gemacht hat, wird sich seine in diesem Semester in unserer Ringvorlesung angebotenen beiden Vorträge nicht entgehen lassen.


Moderation: Klaus Peter Kisker. V. i. S. d. P.: Roland Reich
HTML-Formatierung: Burkhard Kirste, 2001-11-19