Interkulturelle Konflikte: Voraussetzungen ihres angemessenen Verständnisses

Ringvorlesung Energie - Umwelt - Gesellschaft

Referent:
PD Dr. Narahari Rao, Philosophie, Universität des Saarlandes, Saarbrücken
Ort:
Chemiegebäude Takustr. 3, Hörsaal
Zeit:
Dienstag, 2000-02-15 18:15 - 20:00 Uhr

Im öffentlichen Diskurs hört man in letzter Zeit oft, daß der kulturelle Unterschied einer der Quellen von Gesellschaftskonflikten bzw. Konflikten zwischen Staaten sei. Bei einigen Autoren ist sogar die Rede von einer neuen Ära, in der ein "Zusammenstoß von Zivilisationen" bzw. "Kampf der Kulturen" ("clash of civilisations") eine größere Kriegsgefahr darstelle als alle anderen möglichen Kriegsursachen. Das Ziel dieses Vortrages ist es nicht, solche Thesen auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Es geht hier vielmehr darum, einige Vorfragen zu stellen hinsichtlich zentraler Begriffe, die in diesen Thesen verwendet werden: Begriffe wie "Kultur" und "Konflikt".

Wir alle sind vertraut mit Konfliktsituationen des Zusammenlebens - sei es in Wohngemeinschaften oder in Freundes- und Nachbarkreisen -, die aufgrund unterschiedlicher Gewohnheiten entstehen. Ebenso sind wir vertraut mit Gesprächen, die solche Konflikte mehr oder weniger erfolgreich beilegen. Können diese vertrauten Situationen uns Modelle liefern, um Konflikte zwischen gesellschaftlichen Gruppen, "Nationen" bzw. "Ethnien" oder Staaten zu verstehen?

Wenn nicht - oder wenn nicht vollständig, warum nicht? Was kommt hinzu?

Wenn ja, wie sieht ein ausgearbeitetes Modell aus, das vertraute Alltagskonflikte als Paradigma für das Verständnis und die Lösung von Konflikten größerer Dimension annimmt?

Nicht alle Alltagskonflikte sind jedoch von solcher Art, daß unterschiedliche Gewohnheiten im Spiel sind, sondern es gibt auch solche, in denen böse Absichten und Eitelkeiten eine Rolle spielen. Darüber hinaus gibt es auch Unkenntnis auf Seiten des einen oder anderen Mitbeteiligten, die für Irritation und Ärger sorgen kann.

Wenn von "Kultur als Konfliktursache" die Rede ist, was ist mit "Kultur" gemeint? Unterschiedliche Gewohnheiten oder etwas anderes? In dem Vortrag soll die Reichweite solcher Fragen für die Klärung des öffentlichen Diskurses über den richtigen Umgang mit sogenannten interkulturellen Konflikten aufgezeigt werden.


Moderation: Horst Gronke. V.i.S.d.P.: Roland Reich.
HTML-Formatierung: Burkhard Kirste, 2000-02-14