Als Mitglied der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik Und Sicherheit (IANUS) hat Wolfgang Liebert über die ambivalente ("janusköpfige") Naturwissenschaft und besonders über die zivile Nutzung der Kernenergie als "Tarnkappe" für die Entwicklung von Atomwaffen in unserer Ringvorlesung bereits zweimal vorgetragen. Neue, sensationelle Enthüllungen über die militärisch-politische Nutzung "friedlicher" Kernenergietechnik in der Bundesrepublik Deutschland liefert die im Juli 2000 erschienene, auf Anregung von Wolfgang Liebert von der VDW geförderte und herausgegebene Studie des Physikers Dr. Roland Kollert "Atomtechnik als Instrument westdeutscher Nachkriegs-Außenpolitik".
Die kritische Hinterfragung der Wertfreiheitshypothese der Naturwissenschaft durch eine "zweite Aufklärung" ist zentrales Thema der vom 16. bis 18. November 2000 am Gendarmenmarkt in Berlin stattfindenden, öffentlichen Jahrestagung der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW), an deren geistiger Vorbereitung Wolfgang Liebert als Vorstandsmitglied wesentlichen Anteil hat. Mit dem Begriff "Wertfreiheit" sind hier keine Geldwerte, sondern ausschließlich ethisch-moralische Werte gemeint, über die die Wissenschaft nach obiger Hypothese keine objektiven, allgemeinverbindlichen Aussagen machen könne und die darum ausschließlich der subjektiven Gewissensfreiheit jedes einzelnen Menschen überlassen bleiben müßten. Solange die einzelnen Parlamentsabgeordneten noch Zeit und Ermessensspielraum für demokratische Entscheidungen hatten, konnten nach diesem Paradigma immerhin noch ethische und moralische Gesichtspunkte in die Gesetzgebung einfließen. Die Entwicklung der Zentralisierung, Monopolisierung und Globalisierung tendiert aber zur Abschaffung jeglicher Moral in der Politik.