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Familie als Quelle des Wohlstands
in einer menschenwürdigen Gesellschaft
Ringvorlesung Energie - Umwelt - Gesellschaft
- Referent:
- Prof. Dr. Hans-Günter Krüsselberg, Wirtschaftswissenschaft, Universität Marburg (em.)
- Ort:
- Kristallographie, Takustr. 6, Hörsaal
- Zeit:
- Mittwoch, 2004-01-21 18:15 - 20:00 Uhr
Fast täglich warnen Statistiker vor einer in Deutschland heraufziehenden "demographischen Katastrophe". Nach Ihren Berechnungen würde die deutsche Bevölkerung von 82,1 Millionen im Jahr 1998 bis zum Jahre 2100 vielleicht auf ca. 25 Millionen Menschen schrumpfen, wenn es uns nicht gelingt, soziale Gerechtigkeit für Familien mit Kindern, d.h. gesetzliche Verbesserungen zur Entlohnung von Erziehungs- und Ausbildungsarbeit herbeizuführen.
Der Gesellschaft gehen die Kinder aus. Und niemand will so richtig hinsehen. Haben denn alle politisch Verantwortlichen übersehen, dass nach der Rio-Deklaration aus dem Jahr 1992 "die Menschen" in den "Mittelpunkt der Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung" treten sollten? Einwanderung ist kein Ausweg bei Bevölkerungsschwund. Doch in Deutschland schicken sich die Politiker und die Hüter der etablierten Sozialen Sicherungssysteme lediglich an, Verwaltungsanordnungen für eine alternde Gesellschaft zu entwerfen, anstatt über die Lebensbedingungen einer Gesellschaft nachzudenken, die ihre Bevölkerungsstruktur massiv verändert hat. Es steht nämlich fest, dass eine Gesellschaft ohne nachwachsende Generationen keine der Menschenwürde verpflichtete Zukunft hat!
Im internationalen Vergleich zeigt Deutschland die geringsten Geburtenraten. Armutsforscher berichten von zunehmender Kinder- und Familienarmut sowie stark steigendem Sozialhilfebedarf für diese Gruppen. - Stadtforscher registrieren "kinderfreie Zonen" in einem kinderarmen Deutschland. Weltweit gilt die Einschätzung, diese Entwicklung sei das Ergebnis "hausgemachter" Politikfehler.
Ein wesentlicher Teil der "Verletzlichkeit" der deutschen Gegenwartsgesellschaft beruht auf einer immer deutlicher sichtbar werdenden Unfähigkeit der Politik, die unverzichtbaren Leistungen von Familien für die Wohlstandsentwicklung des Gemeinwesens angemessen einzuschätzen, zu würdigen, zu fördern und zu unterstützen.
Kinderarmut in einer reichen Gesellschaft ist ein Zeichen dafür, dass diese Gesellschaft sich ihrer gesellschaftlichen Wurzeln nicht mehr bewusst ist. Die "Produktivkräfte", die die Zukunft einer Gesellschaft sichern, erwachsen grundlegend aus den nachwachsenden Generationen, ihren Qualifikationen und kulturellen Engagements, kurz: ihrem Humanvermögen. Deshalb sind die Familien die Quelle des Wohlstands in einer menschenwürdigen Gesellschaft.
Auch die Wahrung der Menschenwürde im Generationenverbund dürfte am ehesten durch die Stärkung des familialen Wertsystems gewährleistet sein. Mit der Ausdünnung der Balance zwischen den Generationen, der fehlenden Potenziale der nachwachsenden Generationen, droht ein politisch zu verantwortender Abbau der Wohlstand stiftenden Potenziale.
In diesem Kontext ist die Familienfeindlichkeit des Abgaben- und Rentensystems und die nahezu groteske gesellschaftliche Unterschätzung der Leistungen der Familien für die Zukunftssicherung der Gesellschaft ein Symptom für eine viel tiefer liegende geistige und kulturelle Veränderung in unserem Land:
Es fehlt vor allem die Einsicht, dass die familialen Aufwendungen zur nachhaltigen Aufrechterhaltung des Bestands an einheimischer Bevölkerung und zu deren Qualifizierung für die Leistungsanforderung der Gegenwartsgesellschaft eine allen anderen gesellschaftlichen Investitionen vorangehende Investition zur Zukunftssicherung einer Gesellschaft sind.
Trotz dieser überlebenswichtigen Notwendigkeit von Investitionen in das Humanvermögen nachwachsender Generationen wird gerade denjenigen, die diese Investitionen erbringen, durch unsere gegenwärtigen gesetzlichen Regelungen ein unsozialer und unzumutbarer Konsumverzicht abverlangt. Diese Ungerechtigkeit wird auch von den u.E. wichtigsten Kritikern der sozialen Fehlsteuerung in Deutschland angeprangert: den Richtern am Bundesverfassungsgericht. Die Politik ist sehr bemüht, deren Einwände herunterzuspielen.
Nur mit einem aufrichtigen Streben nach einem neuen Leitbild für eine zukunftsorientierte Gesellschaft lassen sich die Denkblockaden auflösen, die Deutschland in eine wirtschaftliche und soziale Schieflage bringen und grundlegende soziale Reformen behindern. Dieses Leitbild muss sich zentrieren um ein Konzept von Nachhaltigkeit, das das Element der Sicherung des Humanvermögens und der Balance in der Bevölkerungsstruktur nicht ausspart.
Das Leitbild muss das Postulat einer Familienpolitik im Zeichen der Nachhaltigkeit enthalten.
Denn: Nur die Weitergabe des Lebens im Miteinander von Generationen, Geschlechtern und Geschwistern erzeugt Lebensfähigkeit und Sinnhaftigkeit im Alltag aller Menschen.
Moderation: Klaus Wulsten. V. i. S. d. P.: Roland Reich
HTML-Formatierung: Burkhard Kirste, 2004-01-26
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