Der Vortrag beschäftigt sich mit den Entwicklungsstadien des Gewissens in Europa zwischen Reformation und Aufklärung und endet mit einem kurzen Ausblick auf das deutsche Gewissen im 20. Jahrhundert. Dargestellt werden die kulturhistorischen Hintergründe sowohl für die Normen als auch für die Funktionsweisen des Gewissens: Was bedeutet es, wenn religiöse Sanktionsinstanzen in der Aufklärung des 18. Jahrhunderts wegfallen? Wie verändern sich Inhalte des Gewissens, wenn philosophische Maximen an die Stelle theologisch begründeter Normen treten?
Ungeachtet der historisch nachweisbaren Relativität der Gewissensnormen stellt sich natürlich die Frage, ob es kulturell übergreifende Tendenzen gibt, die mithelfen können, eine universalisierbare Ethik zu entwickeln.
Die Herausbildung eines "Deutschen Gewissens" in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist allerdings ein unübersehbares Warnsignal, das die Schwierigkeiten einer universalen Ethik beleuchtet.