Im vorigen Wintersemester hat Johannes Heinrichs in unserer Ringvorlesung einen Vortrag gehalten über sozial-mitmenschliche Bedingungen zur Heilung unserer kranken Gesellschaft (im Anschluss an Erich Fromm). Darin hat Heinrichs bereits darauf hingewiesen, dass es in unserem heutigen politischen System Zwänge gibt, gegen die der einzelne Mensch trotz bestem sozial-mitmenschlichem Willen machtlos ist: "Wenn es nach dem heute riesengroßen, aus weltweitem Leid und mehr oder weniger stiller Verzweiflung gespeisten Potential an gutem Willen ginge, hätten wir längst eine humane Wirtschaft und eine Demokratie, die ihren Namen verdient."
Das System der parteilichen Machtsicherung hat aber zu einer Korruption geführt, die Demokratie und soziale Gerechtigkeit untergräbt. Und die gesetzlich legitimierte Selbstvermehrung des Geldes durch Zins und Zinseszins ohne eigene Arbeitsleistung führt zu einem systemischen Zwang, der die von Gräfin Dönhoff geforderte "Zivilisierung des Kapitalismus" unmöglich macht.
Die vor einem Jahr von Heinrichs geforderte "konstruktive Revolution", eine "theoretisch-praktische Bündelung unserer großen Veränderungssehnsucht durch konstruktiv-systemische Kritik", wird jetzt von ihm näher ausgeführt. Heinrichs wird zeigen, welche Reformen notwendig sind, um die verschiedenen, für sich allein unlösbaren Probleme unserer Gesellschaft einer gemeinsamen Lösung zuzuführen. Es handelt sich um eine Integration sowohl der sozial-mitmenschlichen wie der gesetzlichen und der materiell-wirtschaftlichen Vorbedingungen von Frieden in einem realistischen Konzept, das sich über die allgemein-menschlichen Schwächen keine Illusionen macht, aber dennoch die durchaus vorhandenen Potentiale der Mitmenschlichkeit fordert und einsetzt.
Manuskripte zu den drei Vorträgen werden an die anwesenden Hörer verteilt. Außerdem besteht im zweiten Vortrag die Möglichkeit, das neu erscheinende Buch von Johannes Heinrichs "Revolution der Demokratie" zum Hörerpreis von 12,50 Eur (statt 22,90 Eur) zu erwerben.