Chemie - notwendige und faszinierende Grundlage der heutigen Gesellschaft (mit Experimenten)

Ringvorlesung Energie - Umwelt - Gesellschaft

Referent:
Prof. Dr. Ekkehardt Hahn, Anorganische Chemie, Freie Universität Berlin
Ort:
ausnahmsweise im Hörsaal der Anorganischen Chemie in der Fabeckstr. 34/36
Zeit:
Mittwoch, 1997-10-22 18:15 - 20:00 Uhr

Zahlreiche "chemische" Produkte bereichern neben einer Vielzahl "natürlicher" Chemikalien unser Leben. Zu den heute unentbehrlichen synthetischen Stoffen gehören Arzneimittel, Farbstoffe, Düngemittel, Kunststoffe, Waschmittel und Süßstoffe. Die Chemie als Wissenschaft und Industriebranche erfreut sich demgegenüber keiner sonderlichen Beliebtheit. In der Öffentlichkeit hat die Chemie nur wenige Fürsprecher. Kaum jemand nimmt den Standpunkt der Chemiker zur Kenntnis, sofern er überhaupt publik gemacht wird. Obwohl fast alle Menschen in der nördlichen Hemisphäre von den Produkten der chemischen Industrie bewußt oder unbewußt profitieren, stehen ihnen viele gleichzeitig skeptisch gegenüber oder sind sogar überzeugt, daß chemische Produkte per se gesundheitsschädlich oder umweltschädlich seien. Bei genauer Betrachtung scheint es, daß diese (Vor-)Urteile auf unzureichenden Informationen oder falschen Schlußfolgerungen beruhen.

Vor dem Hintergrund der besorgniserregenden Entwicklung der sogenannten "öffentlichen Meinung" sollen einige Beispiele dafür vorgestellt und durch Experimente untermauert werden, daß wir in einer aus natürlichen und synthetischen Chemikalien geprägten Umgebung existieren. Dazu gehört "natürliches" Leitungs- und Mineralwasser im Vergleich zu frisch aus den Elementen synthetisiertem Wasser. Der Behauptung bayerischer Brauer, chemikalienfreies Bier erzeugt zu haben, wird genauso nachgegangen wie der chemischen Grundlage dafür, daß Schafe nach einem Regenguß an Volumen zunehmen. Die Eigenschaften der "natürlichen" Chemikalien Blut (gewonnen aus Dipl.-Chem. Wilhelm Finck), Kokain und CO2 werden mit denen synthetischer Stoffe wie Chanel No 5, PVC und Dioxin verglichen. Ziel dieser Vergleiche ist die Demonstration, daß nicht nur Bayer, BASF und Hoechst, sondern alle lebenden Organismen chemische Fabriken sind, die stetig neue, teils giftige chemische Stoffe produzieren. Erst die Kenntnis dieser Prozesse erlaubt einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt.


Verantwortlich: Roland Reich.
HTML-Formatierung: Burkhard Kirste, 1997-10-23