Angesichts weltweiter Krisen stellt sich die Frage, ob die neue Berliner Republik "Geist" besitzt? -- Geist und Charakter hängen eng zusammen. Die Repräsentanten der deutschen Klassik - allen voran Schiller - fassten dies in die Idee der "ästhetischen Stimmung". Eine solche Stimmung ist angesichts großer historischer Herausforderungen nicht nur von der "politischen Klasse", sondern von uns allen verlangt. Darum betrachten wir jetzt einen besonderen Menschen, der die ästhetische Auffassung der Klassik als erster formuliert hat: Moses Mendelssohn. -- Dieser steht noch für ein anderes wichtiges Konzept zur heutigen Krisenbewältigung: den ökumenischen Dialog der Religionen und Kulturen.
Der Ästhetik und dem ökumenischen Dialog in Mendelssohns Werk ist dieser Vortrag gewidmet.
Die Durchsetzung des klassischen Bildungsideals in Deutschland, das wir mit dem Namen Wilhelm von Humboldt verbinden, wurde maßgeblich vorbereitet durch Moses Mendelssohn, der als mittelloser und rechtloser Jude von Berlin aus zusammen mit seinem Freund Lessing entscheidende Impulse für das geistige und künstlerische Leben in Deutschland gegeben hat.
Dabei war Mendelssohn ein Vermittler der psychologischen Ideen von Leibniz. Die Anwendung der Leibnizschen Kategorien symbolischer und intuitiver Erkenntnis auf die Ästhetik wird in diesem Vortrag diskutiert, ebenso die Parallelen zwischen Mendelssohn und Schiller in der Bewertung des Schönen und Erhabenen.
Schließlich wird Mendelssohns Beitrag zur Ökumene dargestellt. Hier geht es vor allem um die Suche nach Wahrheit, die alle Religionen verbinden sollte. Auch hier ist der Einfluss von Leibniz wieder entscheidend. Mendelssohn erscheint dabei als großer Philosoph, der in der Auseinandersetzung zwischen Leibniz und Kant eine sehr wichtige Rolle spielte.
Auf die Bedeutung der Mendelssohnschen Ideen für unsere heutigen ökonomischen und philosophischen Probleme wird besonders hingewiesen.