Werte in der Wissenschaft?
Plädoyer für eine Erneuerung der Aufklärung

Ringvorlesung Energie - Umwelt - Gesellschaft

Referent:
Dr. rer. nat. habil. Hans-Jürgen Fischbeck, Evangelische Akademie Mülheim/Ruhr
Ort:
Kristallographie, Takustr. 6, Hörsaal
Zeit:
Mittwoch, 2003-01-22 18:15 - 20:00 Uhr

Was ist los mit der Wissenschaft? Diese Frage drängt sich auf angesichts der ungeheuren Wirkungen, die Wissenschaft und Technik auf die bestehenden sozial-ökonomischen Verhältnisse ausgeübt haben und noch weiter ausüben.

Wie sehr Wissenschaft und Technik unsere Zivilisation geprägt und unser aller Leben erleichtert haben, wird uns bewusst bei Reisen in die Dritte Welt. Man kann auch verstehen, welch große Faszination wissenschaftlich-technische Entwicklung und die damit verbundene Konsumkultur dort auslöst.

Aber die andere Seite der Bilanz? Sind nicht auch die Massenvernichtungswaffen wesentlich das Werk von Wissenschaftlern? Hat nicht gerade mit Vorrang eine umfassende Verwissenschaftlichung des Krieges stattgefunden? Welchen Anteil haben Wissenschaft und Technik an den Destabilisierungstendenzen der Ökosphäre?

Ist nicht andererseits die Wissenschaft das Beste, was wir haben, um die Entwicklung zum Guten zu wenden - um "Nachhaltigkeit" zu erreichen?

Solche Fragen sollten gestellt werden, um jene große Denkbewegung wieder aufzunehmen und zu erneuern, der wir die moderne Wissenschaft verdanken, nämlich die Aufklärung. Diese Fragen bilden den Hintergrund des Vortrags, der das gespannte Verhältnis zwischen der Wissenschaft und den (ethisch-moralischen) Werten beleuchtet, die ihr Orientierung geben könnten und einen Ausweg ermöglichen.

Der Vortrag beginnt mit dem Mythos von der angeblichen Wertfreiheit der Wissenschaft, der nur verdeckt, von welchen uneingestandenen und unreflektierten Werten (oder Bewertungen) die reale Wissenschaft gelenkt wird. Dann wird untersucht, welchen Beitrag die sogenannte positive (d.h. empirische) Wissenschaft zur Entwertung der Werte in der (Post-)Moderne geleistet hat. Schließlich wird gefragt, ob nicht die Suche nach Orientierung in der Orientierungskrise unserer Zeit auch wissenschaftlich, d.h. methodisch und systematisch, betrieben werden kann: Ist eine Orientierungswissenschaft möglich und wünschenswert? Wenn ja, wie könnte sie verwirklicht werden?


Moderation: Horst Gronke. V. i. S. d. P.: Roland Reich
HTML-Formatierung: Burkhard Kirste, 2003-01-18