Ist nur das empirisch Feststellbare wirklich?

Zur Wirklichkeit des Geistes im Gehirn

Ringvorlesung Energie - Umwelt - Gesellschaft

Referent:
Dr. Hans-Jürgen Fischbeck, Evangelische Akademie Mülheim/Ruhr
Ort:
Chemiegebäude Takustr.3, Hörsaal
Zeit:
Mittwoch, 2001-12-12 18:15 - 20:00 Uhr

Dieser Vortrag ist eine Fortsetzung unserer Diskussionen mit Hans-Peter Dürr vom 2001-11-07 über "Die ontologische Revolution durch die Quantentheorie und die Erneuerung der Naturwissenschaft" und mit Bodo Hamprecht vom 2001-01-31 über den "Dualismus von Willensfreiheit und Determiniertheit menschlichen Handelns".

In der Vorankündigung des letzteren Vortrags wurde bereits auf eine von Hans-Jürgen Fischbeck im Juni 2001 in Mülheim veranstaltete Tagung zum Thema "Der entthronte Mensch? Herausforderungen der Neurobiologie für unser Menschenbild" hingewiesen und eine Hintergrundbetrachtung von Fischbeck zu diesem Thema im Vortrag verteilt. Seinen zentralen Vortrag von dieser interessanten Tagung wird Herr Fischbeck jetzt für uns wiederholen.

In der Ontologie, der Wissenschaft vom Seienden, gibt es seit der Antike einen Streit, ob es wahrhaft Seiendes nur von einer Art ("Monismus") oder von zwei grundsätzlich verschiedenen Arten ("Dualismus") gibt. In klassischer Gestalt wurde der Dualismus von René Descartes formuliert, der die beiden Grundsubstanzen "res cogitans" (Geist) und "res extensa" (Materie) nannte.

In der heutigen Naturwissenschaft, insbesondere in der Neurobiologie, herrscht eindeutig der materialistische Monismus vor, der die Materie als alleinige Grundsubstanz betrachtet und glaubt, dass alles Geschehen in der Welt im Prinzip vollständig und ausschließlich durch materielle Vorgänge naturwissenschaftlich beschreibbar und erklärbar sei. Geistige Vorgänge des subjektiven Bewusstseins wären dann nur "Begleiterscheinungen", die "objektiv" gar nicht existieren und jedenfalls keinerlei Einfluss auf materielle Vorgänge haben können, Das ist aber ein nicht beweisbarer Glaubenssatz, der noch dazu der subjektiven Erfahrung jedes Menschen widerspricht.

Fischbeck setzt dagegen die Definition, dass zur "Wirklichkeit" der Welt alles gehört, was auf uns Menschen wirken kann. Diese Wirkung nennt er Erfahrung. Es gibt nun zwei unterschiedliche Arten von Erfahrung: 1. Erfahrung durch Beobachtung (naturwissenschaftlich objektivierbar) und 2. Erfahrung durch Beteiligung an Kommunikation, d.h. durch Informationsaustausch mit anderen Lebewesen. Jede übertragene Information hat nun aber eine Doppelstruktur von materiellem Code und geistiger Bedeutung. Dabei ist die Bedeutung das Primäre, weil sie vor der Codierung vorhanden sein muss ...


Moderation: Bodo Hamprecht. V. i. S. d. P.: Roland Reich
HTML-Formatierung: Burkhard Kirste, 2001-12-12