Projekt zum Aufbau eines
Internet-Informationsdienstes für die Chemie
Auszug aus einem Projektantrag beim
DFN-Verein (1996) - nur noch von historischem Interesse!
Die komplexen Aufgaben, denen sich die Chemie bei der Analyse von
Stoffen, der Entwicklung neuer Produkte und der Vorhersage von
Eigenschaften gegenübersieht, erfordern den immer stärkeren Einsatz der
Datenverarbeitung auf diesem Gebiet. Während durch aufwendige
Simulationsrechnungen die Chemie zu einem der Hauptabnehmer von
Rechenleistung im wissenschaftlichen Bereich geworden ist, liefern
Analysegeräte in kurzer Zeit Meßergebnisse, deren Deutung nur noch
durch intelligente Verfahren der Informationsverarbeitung in vertretbarer
Zeit möglich ist. Hinzu kommt eine Flut von Informationen, die auf
den Netzen und in Datenbanken zu chemischen und biochemischen
Fragestellungen angeboten werden, deren Einordnung und rationelle Sichtung
den einzelnen Wissenschaftler in vielen Fällen jedoch zeitlich überfordert.
Die Einrichtung eines zentralen
Informationsservice für das Gebiet der Chemie kann entscheidend dazu beitragen,
das Informationsangebot sinnvoll zu strukturieren und damit effizient
nutzbar zu machen.
Aufgrund der besonderen Darstellung in chemischen Formeln oder
Aminosäuresequenzen (2-dimensional) beziehungsweise in räumlichen
Strukturen und Oberflächen (3-dimensional), seit neuestem auch in
Videosequenzen von chemischen Reaktionen, werden spezielle Anforderungen
an
Darstellung und Suchstrategie auf diesem Fachgebiet gestellt. Hierfür
gibt es zur Zeit nur Ansätze, die - möglichst in internationaler
Zusammenarbeit - weiterentwickelt und standardisiert werden müssen.
Durch die Vielzahl des Angebots an Public-Domain- und kommerzieller
Software auf dem Gebiet der Chemie und Biochemie wird die Auswahl der
für eine bestimmte Aufgabenstellung einzusetzenden Produkte immer
schwieriger; für eine bessere Übersichtlichkeit müssen an einer
zentralen Stelle Kurzbeschreibungen und Adressen von Ansprechpartnern
für ein möglichst vollständiges Spektrum chemisch orientierter
Software bereitgehalten werden. Generell sollten diese Daten sowohl als
Listen als auch in Form von Datenbanken mit leicht zu bedienenden
Suchwerkzeugen bereitstehen.
Die Unüberschaubarkeit der bereits heute im Internet angebotenen
Information verlangt für einzelne Fachgebiete eine Sammlung von
Dokumentinhalten
fachspezifischer Server, wiederum als Datenbank mit verschiedenen
Suchkriterien (z.B. Lokalisation, Arbeitsgebiet, Untersuchungsmethoden,
eventuell auch Personen).
Auf einem zentralen Informationsserver für den Bereich der Chemie
müssen auch Dienstprogramme für eine leichtere Einsetzbarkeit von
Software auf unterschiedlichen Rechnerplattformen angeboten werden sowie
Datenbanken von allgemeinem Interesse, z.B. über Gefahrstoffe;
daneben ist das Angebot eines Tagungs- und Veranstaltungskalenders
und einer Jobbörse sicherlich von Nutzen.
Gegenüber den großen Datenbankanbietern muß eine zentrale Stelle
darauf dringen, daß benutzerfreundliche und modernen Anforderungen
entsprechende Schnittstellen zur Verfügung gestellt werden; hierbei muß
auch über Zugangsbeschränkungen und mögliche Abrechnungsmodelle
nachgedacht werden.
Die Veröffentlichung von Preprints, wie in anderen Fachgebieten üblich,
sollte zumindest diskutiert werden; dagegen können für Aufgaben wie die
Bereitstellung von Lehrprogrammen oder einheitlicher, benutzerfreundlicher
Zugriff auf Fachbibliotheken im Rahmen des Projekts nur Vorarbeiten
geleistet werden.
Am Fachbereich Chemie der Freien Universität Berlin wurde im
Juni 1993 der erste WWW-Server auf dem Gebiet der Chemie in
Deutschland eingerichtet.
Auf diesem Server sind
bereits viele der oben beschriebenen Aufgaben in Ansätzen verwirklicht, so
daß - zusammen mit der großen installierten Softwarebasis und
einer schnellen Netzanbindung - optimale Voraussetzungen für die
Durchführung eines Projekts dieses Anspruchs vorliegen.
Übersicht
- Projekttitel:
- Aufbau eines Internet-Informationsdienstes
für die Chemie
- Kürzel:
- Chemie.DE
- Dieses Kürzel soll als Domainname beim DE-NIC beantragt werden, so
daß der Server unter diesem Namen oder unter www.chemie.de erreichbar
ist.
- Projektleitung
- Dr. Wolfgang Dreißig
- Dr. Holger Busse
- Teilnehmende Einrichtung
- Fachbereich
Chemie der Freien Universität Berlin
- Projektlaufzeit
- 1. Novenber 1996 bis 31. Oktober 1998 (24 Monate)
Übersicht
Es sollen ein WWW- und ein damit verbundener FTP-Server für die
Fachgebiete Chemie und Biochemie aufgebaut und betrieben werden, auf denen
fachspezifische Informationen aufbereitet und den Nutzern angeboten
werden. Die
Projektarbeit gliedert sich in die Hauptaufgabengebiete
- Bereitstellung von Metainformationen
- Entwicklungsarbeiten
- Konzeptionelle Überlegungen
Im folgenden werden die Aufgabengebiete im einzelnen beschrieben.
Bereitstellung von Metainformationen:
- a) Bereitstellung geprüfter Public-Domain-Software für die
Fachgebiete Chemie und Biochemie.
Für die Fachgebiete existiert eine große Zahl von öffentlich
zugänglichen und kostenfreien Softwareprodukten, die oft nur unzureichend
dokumentiert, deren Anwendungsgebiet unklar und deren Limitierungen von den
Autoren oft nicht angegeben sind. Diese Produkte sollen möglichst
vollständig erfaßt und auf ihre Brauchbarkeit getestet werden; soweit
notwendig, sollen Kurzanleitungen zu Gebrauch und Installation verfaßt
und diese Informationen, zusammen mit Hinweisen auf den Verfasser und das
Copyright, auf dem WWW-Server bereitgestellt werden. Die Software selbst
sowie ausführliche Anleitungen - soweit vorhanden - sollen auf dem
FTP-Server zur Verfügung gestellt werden mit der Möglichkeit des
Zugriffs aus WWW. Hier wird mit der ASK Karlsruhe zu kooperieren sein,
die in dieser Richtung seit längerem aktiv ist.
- b) Verzeichnis von kommerziellen Software-Produkten für die
Chemie
Es ist eine Vielzahl von kommerziellen Software-Produkten auf dem
Fachgebiet vorhanden. Es sollen Informationen der Hersteller gesammelt
und, soweit am Fachbereich Chemie der FU vorhanden, Erfahrungen mit der
Anwendung der Produkte zusammengetragen werden. Ferner sollen Kurzanleitungen mit
Angaben über Einsatzgebiet, Hersteller, Bezugsquelle, Preis (falls diese
Angabe vom Hersteller genehmigt wird), Lizensierung, Referenzen,
Mailing-Listen und
Ansprechpartner aus dem Anwenderkreis verfaßt und auf dem Server
bereitgestellt werden. Für nicht am Fachbereich vorhandene Produkte soll
versucht werden, einen kompetenten Ansprechpartner aus der
"chemical community" zu finden und zu benennen.
- c) Liste der Chemie-Informationsserver
Es soll eine Liste sämtlicher Informationsserver (WWW, Hyper-G,
Gopher, FTP) auf dem Gebiet der
Chemie und Biochemie erstellt werden (wird bereits jetzt z.B. an der
Universität
Karlsruhe vorgehalten und
existiert auch
international);
diese Liste soll auch kommerzielle Angebote umfassen. Neben der
Listendarstellung soll die Information auch als Datenbank mit
Recherchemöglichkeit
zugänglich sein. Alle URLs sind regelmäßig automatisiert
auf ihre Gültigkeit und auf Veränderungen zu überprüfen.
- d) Metaindex chemie-relevanter Dokumente mit
Recherchemöglichkeit
Die Dokumente der Chemie-Server sollen nach bestimmten Kriterien durchsucht
und die Ergebnisse in
einer Datenbank abgespeichert werden. Hierfür sind
bereits vorhandene Roboter
und Suchwerkzeuge, z.B. Harvest,
zu prüfen und gegebenenfalls weiterzuentwickeln. Für die so erzeugte
Datenbank sollen geeignete benutzerfreundliche und effiziente
Recherchewerkzeuge mit fachspezifischer Ausrichtung angeboten
werden (siehe h). In Ansätzen ist eine solche
Datenbank
bereits am Server des Fachbereichs im Einsatz.
Auch hier ist eine regelmäßige (halbautomatische)
Überprüfung der Dateninhalte auf Konsistenz und Aktualität
zu gewährleisten.
Eine wichtige Rolle für die Akzeptanz der Online-Information ist die
Qualität des Angebots. Es ist daher eine gewisse Qualitätskontrolle der
angebotenen Information unerläßlich; über die Form und
Durchführung dieser Beurteilung muß nachgedacht werden.
Grundvoraussetzung für ein seriöses Angebot ist die Nennung eines
Verantwortlichen für jede Seite, automatisierte Einfügung des
Datums der letzten Änderung sowie die Angabe sämtlicher Quellen.
An der University of Sheffield wird an einem der im Bereich Chemie
führenden WWW-Server bereits eine
Qualifizierung
des Gesamtangebots von Chemie-Servern vorgenommen;
der Server des Fachbereichs Chemie der FU ist (neben fünf Servern aus
Großbritannien, fünf aus den USA, einem aus Finnland und einem aus
Jamaica) als einziger Chemie-Server in Deutschland ausgezeichnet.
Es sollen
auch Hinweise für die generelle Organisation von Chemie-Dokumenten im
WWW
erarbeitet und bereitgestellt werden, um eine leichtere Orientierung bei
der Durchsicht von Servern zu ermöglichen.
Wegen der Fülle der Information und Komplexität der Aufgabenstellung
wird zunächst eine Konzentration auf von deutschen Servern angebotene
Dokumente erfolgen.
- e) Mailinglisten und news-Gruppen verschiedener
Sachgebiete der Chemie
Es sollen Mailinglisten aus dem Bereich der Chemie geführt werden,
allerdings nur bei Anmeldung von Bedarf durch andere Nutzer.
Ferner sollen news-Gruppen verschiedener Sachgebiete der Chemie archiviert
werden; für beide Aufgaben ist eine Recherchemöglichkeit
vorzusehen. In beiden
Aufgabengebieten liegen bereits langjährige Erfahrungen beim
Antragsteller vor; im Rechenzentrum der Freien Universität
steht einer der größten
News-Server Deutschlands zur Verfügung.
- f) Deutscher und internationaler Tagungs- und
Veranstaltungskalender
Auch hierfür sollte eine Datenbank aufgesetzt werden. Es sind auch
benachbarte Fachgebiete (Physik, Medizin, Kristallographie) sowie
Workshops zu erfassen.
- g) Jobbörse
Es ist eine zentrale Stelle für die Veröffentlichung von
Stellenangeboten und -gesuchen auf dem Gebiet der Chemie (und verwandten Fachgebieten) zu
schaffen. Hier ist man allerdings stark auf die Kooperation mit anderen
Stellen, etwa Verwaltungsleiter von Fachbereichen und Fakultäten, angewiesen.
Auch die Industrie sollte auf diese Möglichkeit angesprochen werden.
Übersicht
Entwicklungsarbeiten:
- h) Entwicklung von Suchwerkzeugen
Eine große Gefahr der explosionsartig ansteigenden Menge der im
Internet bereitgestellten Information ist das "Ertrinken in der Datenflut":
Zwar ist die schnelle Zugänglichkeit zu einer nie gekannten Menge und
Vielfalt von Information weltweit gegeben, doch ist die gezielte Suche nach
bestimmten Informationen oft außerordentlich zeitaufwendig und
frustrierend, da die Angebote häufig willkürlich strukturiert sind.
Erleichterung könnte hier eine gewisse Standardisierung der
Informationsorganisation bringen (siehe d), wichtiger aber ist noch
die Entwicklung geeigneter Suchwerkzeuge und -algorithmen. Diese Arbeiten
werden vornehmlich in anderen Projekten durchgeführt werden; ein
zentraler Chemie-Informationsserver sollte diese Entwicklungen universell
einsetzbarer Suchwerkzeuge, z.B. für die Textrecherche, durch enge
Kooperation mit den entsprechenden Projekten möglichst umgehend übernehmen
bzw. adaptieren.
Ein spezifisches Problem des Fachgebiets Chemie ist die Suche nach
Molekülen oder chemischen Substanzen anhand ihrer Struktur
(zwei- und dreidimensional). Es sollen Verfahren entwickelt werden,
um über WWW in Datenbanken nach Strukturen zu suchen. Hierzu soll
versucht werden, bereits vorhandene Moleküleditoren in ein
Recherchewerkzeug zu integrieren bzw. deren Koordinatenausgabe zu
nutzen. Wichtig ist, daß ein gängiges Datenformat gewählt wird
(z.B. MDL-mol); hierzu ist gegebenenfalls auch Zusammenarbeit
mit kommerziellen Anbietern notwendig. Da auch die anzusprechenden
Dokumente entsprechend aufbereitete Informationen enthalten müssen,
ist eine allgemeine Anwendung dieser Methoden sicherlich erst langfristig
zu sehen.
Eine konkurrierende Suche in verteilten Datenbeständen (siehe auch
d) wird wohl in anderen Projekten untersucht werden; hier ist eine enge
Kooperation notwendig.
- i) Bereitstellung von fachspezifischen Transportprotokollen
Für Verschlüsselung, Transport und Darstellung von 2d- und 3d-Moleküldaten
sind Ansätze als Draft-Proposals zu RFC 1521 in Form eines
"chemical mime" (H. Rzepa)
bereits vorhanden.
Entsprechende Software zur Nutzung dieser Möglichkeiten ist auf dem
Server zur Verfügung zu stellen. Inwiefern diese Bestrebungen für die
Übertragung von Oberflächen- und Volumendaten sowie für Animationen
zur Darstellung von Reaktionsmechanismen zu ergänzen sind, ist zu
untersuchen. Ein Vorteil gegenüber den üblichen mime-Typen (Image,
Video) wäre nur vorhanden, wenn sich die entsprechenden Funktionen in
nicht zu aufwendiger Weise analytisch darstellen ließen. Die Verwendung
von VRML als Transportmedium ist zu prüfen.
Eine weitere fachspezifische Aufgabe ist die Übertragung
spektroskopischer Daten; Austauschformate sind hier erst in Ansätzen
standardisiert (JCAMP-DX, netCDF, BES^3T).
- j) Spezielle fachspezifische Datenbanken
Auf dem WWW-Server des Fachbereichs Chemie existieren bereits einige spezielle
fachspezifische Datenbanken,
sämtlich aufgesetzt von B. Kirste.
Dieses Angebot
sollte auf Chemie.DE übernommen und durch weitere für Chemiker und
Biochemiker interessante Datenbanken ergänzt werden, nach Möglichkeit
mit noch effizienteren Rechercheverfahren. Beispiele wären eine
Gefahrstoffdatenbank, eine Sammlung wichtiger Fachbegriffe mit kurzen
Erläuterungen, Molekülstrukturdatenbanken, Informationen zur
Arbeitssicherheit und zur Abfallbeseitigung.
Hier sind Fragen des Copyrights und einer eventuellen Entgeltpflicht zu
beachten, sofern die Daten von Firmen bereitgestellt werden.
- k) Entwicklung von Dienstprogrammen zur Erleichterung
von Softwarebenutzung
Ein großes Problem bei der Benutzung verschiedener Softwareprodukte in
der Chemie stellt die Formatinkompatibilität zwischen den Datenformaten
bei Programmen verschiedener Hersteller dar. Bei der Unterschiedlichkeit
der Konzeptionen und des Einsatzgebietes der Programme ist mit einer
Standardisierung in einem überschaubaren Zeitraum nicht zu rechnen.
Einen Ansatz zur Beseitigung dieser Probleme bietet das Programm
babel (P. Walters, M Stahl),
das Konvertierungsmöglichkeiten zwischen zahlreichen Datenformaten von
Programmen des Molecular Modelling im weitesten Sinn bietet. Dieses Tool
wäre - in Kooperation mit den Autoren - um weitere Datenformate zu
erweitern; es sollten Überlegungen angestellt werden, inwieweit eine
Eingabe verschiedener Formate über Parameterfiles realisierbar ist. Diese
Bemühungen sind in Zusammenhang mit a, b und h zu sehen. Es muß
geprüft werden, ob Dienstprogramme im Rahmen eines Systems wie JAVA interaktiv
zur Verfügung gestellt werden können.
Übersicht
Konzeptionelle Überlegungen:
- l) Schnittstellen zu kommerziellen Datenbanken
Auf den Gebieten Chemie und Biochemie werden zahlreiche Datenbanken
kommerziell angeboten, zum Teil auf CD's zum lokalen Betrieb,
die bedeutendste (Chemical
Abstracts) und einige weitere sowohl in Buchform als auch online über das
FIZ Karlsruhe. Die letzteren
chemischen Datenbanken
besitzen ein eigenes, auf PC's lauffähiges
graphisches Interface. Es sollte versucht werden, die Anbieter zur
Entwicklung eines in WWW zu integrierenden Interfaces, wenn möglich mit
standardisierter Schnittstelle (siehe auch h) zu veranlassen, um die
Zugriffsmöglichkeiten, die Benutzerfreundlichkeit und die
Weiterverarbeitung der Daten zu verbessern.
Auch hier sind Copyright-Probleme und die Entgeltpflicht zu beachten.
- m) Sammlungs/Vermittlungsstelle von Preprints
In anderen Fachgebieten (Physik, Mathematik) hat sich der Austausch von
Preprints über das Netz zu einer der nützlichsten Netzanwendungen
entwickelt. In der Chemie sind gegen diese Methode des Informationsangebots
- trotz ebenfalls sehr langer Publikationszeiten bei den
wissenschaftlichen Verlagen - immer wieder massive Bedenken geäußert
worden, vor allem wegen der fehlenden Überprüfung durch Fachgutachter
und Unsicherheiten bei der Zitierung. Es soll zumindest versucht werden,
in Gesprächen mit Wissenschaftlern aus dem Fachgebiet, eventuell auch
mit den Verlagen, hier eine Lösung zu finden, bei der Schnelligkeit und
Flexibilität der Netzkommunikation mit Qualität zu vereinbaren ist.
- n) Lehrangebote
Die Entwicklung von interaktiven online-Lehrprogrammen bietet in
Zusammenhang mit Multi-Media-Fähigkeiten große Möglichkeiten.
Eine eigene Entwicklung von Lehrprogrammen würde jedoch den Umfang des
hier beantragten Projekts deutlich übersteigen, da hierfür auch eine
Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen notwendig wäre. Es kann nur die
Entwicklung auf der internationalen Szene beobachtet und mit der ASK sowie
mit anderen DFN-Projekten, die Arbeiten über Lehrprogramme zum Inhalt
haben, kooperiert werden.
Ein faszinierendes Projekt wäre, gerade im Fall der Chemie, die
Erstellung eines Online-Lehrbuchs über dieses Gebiet bzw. Teilgebiete
der Chemie. Gerade hier würde die Darstellung dynamischer Abläufe bei
Experimenten, Analysen und Reaktionen mit Hilfe von Video-Sequenzen,
eventuell auch Audio-Unterstützung in Form von Erklärungen, eine
völlig neue Qualität der Wissensvermittlung erschließen. Leider
können für ein solches Projekt aus Kapazitätsgründen wohl ebenfalls
nur Vorleistungen erbracht werden in Form von Ansprache namhafter
Wissenschaftler und Verlage sowie Koordinierung, eventuell auch
exemplarischer Art.
Übersicht
Statt der Einrichtung eines WWW-Servers als zentralem
Informationsvermittlungsinstrument wurde auch
Hyper-G
als Basis diskutiert.
Dieses Medium ist jedoch bisher noch wenig verbreitet, vor allem aber
erfordert es wegen der notwendigen Anmeldung der Seiten eine stärkere
Einbindung aller beteiligten Sites; dies würde sich auf freiwilliger
Basis wohl nur schwer erreichen lassen.
Um so stärker muß bei dem aufzubauenden WWW-Server eine ständige
Überprüfung der Konsistenz aller am Server referierten Links sowie
deren Vernetzung betrieben werden; Werkzeuge hierfür existieren
bereits (Lycos www search engine) und sind
gegebenenfalls vom Projekt "Zentrales
Referenz- und
Kompetenzzentrum für Informationsverarbeitung" zu adaptieren.
Ebenfalls in Kooperation mit diesem Projekt müssen Tools zum Durchsuchen
von WWW-Seiten nach bestimmten, fachspezifisch definierbaren Inhalten
im Hintergrund-Betrieb angewendet werden, insbesondere für d.
Auch hier existieren bereits
Ansätze.
Soweit irgend möglich, sollten die WWW-Dokumente in deutsch und englisch
angeboten werden.
Beschreibung der am Ende auslieferbaren Ergebnisse
Alle während der Projektzeit gesammelten Daten werden als Datenbanken
mit Recherchemöglichkeit im WWW angeboten. Sämtliche im Rahmen des
Projekts entwickelten Werkzeuge und Programme werden mit Dokumentation
auf dem FTP-Server zur weiteren Nutzung freigegeben, ebenso die
in a geprüften Public-Domain-Programme; Copyrights sind zu beachten.
Über die Ergebnisse der
in den "Konzeptionellen Überlegungen"
erfolgten Bemühungen wird öffentlich berichtet.
Pilotnutzung
Eine Pilotnutzung durch den Fachbereich Chemie der FU soll nach dem Aufbau
der Server ab viertem Monat der Projektlaufzeit erfolgen. Die Dauer der
Pilotnutzung sollte nicht zu lang sein (etwa 2 - 3 Monate), um möglichst
früh eine Reaktion der allgemeinen Nutzerschaft zu erfahren, auch wenn
die meisten der im Abschnitt "Projektziel" genannten
Angebote noch sehr unvollständig,
einige sicherlich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorhanden sein
werden. Anders als bei den meisten anderen Projekten wird bei den
fachspezifischen Informationszentren die Akzeptanz bei den Nutzern auch
die Bildung von Schwerpunkten in der Arbeit mit bestimmen.
Nutzung der Projektergebnisse nach Projektende
Im Unterschied zu vielen anderen Projekten, die konkrete Untersuchungen zu
bestimmten Fragen durchführen und deren Arbeit nach positivem
Abschluß des Projekts beendet werden kann, ist die Einrichtung einer
zentralen Plattform für fachspezifische Informationsangebote nur auf
Dauer sinnvoll, da die meisten der im Abschnitt "Projektziel"
beschriebenen Aufgaben einer
ständigen Pflege und Aktualisierung bedürfen. Das Projekt sollte daher,
einen erfolgreichen Abschluß und Akzeptanz bei den Benutzern
vorausgesetzt, zu einer ständigen Einrichtung weiterentwickelt werden;
Gespräche über eine Trägerschaft sollten mit den zuständigen
Gremien (auch CIC - Computer-Information-Chemie / GDCh - Gesellschaft
Deutscher Chemiker) noch während der
Laufzeit des Projekts geführt werden.
Übersicht
Fachlicher Hintergrund der Projektteilnehmer
Der Fachbereich Chemie an der Freien Universität Berlin betreibt seit
Ende 1992 ein Workstation-Cluster CHEMnet mit zur Zeit 85
UNIX-Workstations
und ca. 130 an das Netz angeschlossenen PC's und 10 MAC's. Der Schwerpunkt bei den
UNIX-Plattformen liegt bei SGI-, HP- und LINUX-Anlagen, es sind jedoch auch ein
SUN-, ein IBM- sowie zwei DEC-Systeme (letztere ab 2/96) in das Cluster
eingebunden.
Seit Juni 1993 wurde am Fachbereich der
erste WWW-Server auf dem Gebiet der
Chemie in Deutschland aufgebaut;
hierüber wurde auf dem
9. CIC-Workshop
in Bitterfeld 1994 vorgetragen (B. Kirste).
Für diesen Server wurden bereits zahlreiche
Eigenentwicklungen
auf dem Gebiet der Chemie erbracht,
u.a. Umrechnung von Einheiten,
Molmassenberechnung,
3d-Molekülmodelle von Aminosäuren,
Sicherheitsdaten von Chemikalien.
Zur Zeit wird hier auch die
Liste der
deutschen WWW-Server geführt;
dieser Dienst soll in naher Zukunft an die ZEDAT (Rechenzentrum) der FU
abgegeben werden.
Im Fachbereich werden zahlreiche Programme des Molecular Modelling und der
Theoretischen Chemie intensiv genutzt, insbesondere in den Arbeitsgruppen
Prof. Manz, Prof. Knapp und Prof. Saenger.
Ferner ist der Fachbereich an dem Projekt
"Endnutzerförderung
Chemiedatenbanken" des BMBF beteiligt
und hält die wichtigsten chemischen Strukturdatenbanken vor. Vor diesem
Hintergrund existieren umfangreiches Wissen und Erfahrungen im Umgang mit
Software-Produkten aus der Chemie und verwandten Gebieten.
Eine enge Kooperation mit dem Rechenzentrum der FU und zum Projektantrag
"Referenz- und Kompetenzzentrum für Informationsdienste" ist durch sehr
gute personelle Kontakte gesichert.
Kooperation mit anderen Projekten
Wie bereits im Abschnitt "Projektziel" ausgeführt,
muß ein ständiger
Erfahrungsaustausch mit den Projekten "Referenz- und Kompetenzzentrum
für Informationsdienste", "Suchhilfen in Datenquellen" und
"Lehrmaterialien" erfolgen. Selbstverständlich ist auch
eine Kooperation mit den anderen fachspezifischen Projekten vorgesehen.
Wegen des starken Einflusses der Industrie in der Chemie, z.B. auf den
Gebieten Datenbanken und Software, sind Kooperationen mit Projekten zu den
"Rechtlichen Rahmenbedingungen für den Wissenschaftsbereich" sowie zum
"Wert elektronischer Informationen" unerläßlich.
Gegenüber dem Projekt "Zugriff
auf Bestände in Bibliotheken" sind die fachspezifischen Interessen
zu vertreten.
Informations- und kommunikationstechnische Beschreibung
Neben der Anwendung herkömmlicher Kommunikationsdienste wird ein
Schwergewicht des Projekts auf der Entwicklung und Standardisierung von
Übertragungs- und Darstellungsformaten für 2d- und 3d-Informationen
spezifisch chemischer Natur (chemische Strukturformeln,
3d-Strukturinformation, Oberflächen, Reaktionskinetik (Animation)) in
internationaler Zusammenarbeit sowie in Kooperation mit den
Datenbankherstellern liegen.
Übersicht
Kommunikationstechnische Vorleistungen
Am Fachbereich Chemie der FU Berlin sind die Workstations und PC's zur Zeit
auf Basis von Ethernet vernetzt; ein FDDI-Ring stellt
die Verbindung zum Rechenzentrum mit zentralem Backup-Server, zentralem
Compute-Server und Chemie-Fileserver her.
In einem weiteren WAP-Antrag des Fachbereichs (Befürwortung durch die
DFG liegt bereits vor) ist die schnelle Netzanbindung einiger der
neu zu beschaffenden Workstations vorgesehen, ferner existiert ein
Haushaltsantrag für das Jahr 1996 für die schnelle Netzanbindung
vorhandener Rechner. Ob dies auf der Basis von FDDI oder von ATM
geschieht (hier ist das Routing zwischen 10-12 ATM-Endgeräten bisher
nicht befriedigend geklärt), wird in den kommenden Monaten entschieden
werden. Auf jeden Fall kann die notwendige Hardware (FDDI-Konzentrator
bzw. ATM-Switch) vom Fachbereich zur Verfügung gestellt werden.
Ein 48/48-Lichtwellenleiterkabel verbindet die Gebäude des
Fachbereichs untereinander sowie mit dem
Rechenzentrum. Die Freie Universität Berlin wird im Frühjahr
1996 einen Anschluß an das B-WIN erhalten.
Kommunikationssoftware
WebAuthor (Fa. SGI), Netscape-Server und -Browser sowie andere grundlegende
Kommunikationssoftware ist vorhanden. JAVA, JAVA-script und VRML sollen,
sobald für die verwendeten Plattformen erhältlich, aus
Fachbereichsmitteln beschafft werden. Weitere kommerzielle
Kommunikationssoftware (z.B. Lycos) muß aus Projektmitteln
beschafft werden.
Meilensteine
Die im Abschnitt "Projektziel" definierten Aufgaben
lassen sich schlecht zeitlich einordnen;
in der Regel wird an mehreren Arbeitspaketen parallel gearbeitet werden.
Eine vorläufige zeitliche Ablaufplanung sieht vor:
- 1.-4. Monat: Konzeptionelle Überlegungen; Datensammlung (a,b,c,d)
- 5.-6. Monat: Aufbau und Organisation der Server; Pilotbetrieb
- 7.-18. Monat: Entwicklung von Werkzeugen; Programmierung; Aufbau
von Datenbanken (alle Aufgabengebiete bis auf n); weitere
Datensammlung
- 19.-24. Monat: n; weitere Datensammlung; Abschlußbericht;
Statistik
Übersicht
(in dieser Form nicht Bestandteil des Antrags!)
Als personelle Ausstattung für das Projekt sind zwei Stellen BAT IIa
(aufgeteilt in eine ganze sowie zwei halbe Stellen) vorgesehen. Ferner
ist die Stelle eines studentischen Mitarbeiters (80h/Monat) finanziert;
diese Mittel können auch für Werkverträge für bestimmte,
fest umrissene Aufgaben verwendet werden. Ab Anfang 1997 sind ferner zwei
weitere Stellen für studentische Mitarbeiter (40h/Monat) finanziert;
durch eine Haushaltssperre im Land Berlin sind diese Stellen zur Zeit
nicht besetzbar.
Das Projektteam Chemie.DE:
Projektleitung
Mitarbeiter
- Hans Benedict
- Thomas Richter
- Claus Schröter
- Steffen Möller (Werkvertrag)
beratend
Übersicht
Berücksichtigung benachbarter Fachgebiete
Mit dem Fachgebiet Biochemie existiert eine enge Überschneidung in
der Aufgabenstellung, zum großen Teil auch in der Methodik; auch
werden oft gleiche Softwareprodukte genutzt. Zudem gibt es am Fachbereich
Chemie ein Institut für Biochemie sowie einige biochemisch orientierte
Arbeitsgruppen in anderen Instituten des Fachbereichs, so daß die
Abdeckung dieses Faches durch einen zentralen Informationsserver Chemie
logisch und sinnvoll erscheint.
Beschränkungen in der Zielsetzung
Die Nutzerschaft in der Chemie steht den neuen Medien sehr gespalten
gegenüber: Im Nachwuchs, insbesondere der Studentenschaft, ist großes
Interesse vorhanden, und es werden neueste Techniken sofort angenommen und
genutzt. Andererseits ist die Professorenschaft und das Management in der
Chemie sehr konservativ; viele Hochschullehrer
benutzen noch nicht einmal e-mail zur Kommunikation.
Es muß daher erstes Ziel des Projektes sein, eine möglichst breite
Basis auch "gestandener" Wissenschaftler mit dem Informations-Service zu
erreichen. Daher steht nicht die Adaption allerneuester Techniken, sondern
leichte Bedienbarkeit des Servers, seine Effizienz und Qualität in der
Informationsvermittlung im Vordergrund des Projekts.
Es werden daher kein Video-Conferencing und kaum Audio-Tools
angeboten werden. Einerseits besteht kein unmittelbarer Bedarf für diese
Techniken, andererseits sollen Entwicklungen, die im Rahmen anderer
Projekte untersucht werden, abgewartet werden. Von neuen Techniken sind
nur Video-Animationen Gegenstand des Projekts.
Bedeutung der Industrie
Im Fachgebiet Chemie hat traditionell die Industrie eine stärkere
Bedeutung als in anderen naturwissenschaftlichen Fachrichtungen.
Es muß daher ein wesentliches
Ziel des Projekts sein, auch GDCh und große Teile der Industrie von den
Möglichkeiten des Projekts zu überzeugen. Hierfür ist eine intensive
Werbung zum Beispiel auf Fachtagungen notwendig. Wegen der Wichtigkeit
kommerzieller Datenbanken in der Chemie muß auch die Beschäftigung
mit Problemen des Copyrights und mit Formen einer elektronischen
Abrechnung / Bezahlung erfolgen.
Übersicht
Der Fachbereich Chemie der Freien Universität Berlin beantragt
Projektfördermittel des DFN zum Aufbau eines
Internet-Informationsdienstes für das Fachgebiet Chemie. Im Rahmen des
Projekts sollen ein WWW- und ein FTP-Server betrieben,
Metaindices nach fachspezifischen Gesichtspunkten aufgebaut,
chemie-spezifische Werkzeuge und Programme zur
Informationsaufbereitung entwickelt sowie konzeptionelle Arbeiten
geleistet werden.
Übersicht
Wolfgang Dreißig, 1996-01-30;
Überarbeitung und HTML-Formatierung:
Burkhard Kirste, 1996-08-28;
Chemie.DE Projektteam, 1997-01-30