Die Grundlagen menschlichen Verhaltens lassen sich vielfach von seiner biologischen Funktion her verstehen. Darüber wurde in einem früheren Vortrag berichtet. Jetzt geht es um die aktuelle Anwendung in unserer Gesellschaft.
Nach den Erkenntnissen der Evolutionsforschung haben sich nicht nur solche Anlagen durchgesetzt, die zum eigenen Fortpflanzungserfolg des Individuums beitragen (z.B. durch Stärkung seiner Stellung in der Gemeinschaft), sondern auch die Bereitschaft zum Einsatz für die Gemeinschaft bis hin zur Selbstaufopferung, die der Fortpflanzung verwandter Artgenossen dient.
Die resultierende Spannung zwischen Individuum und Gemeinschaft führt zu Gewissenskonflikten, wie sich am Beispiel der Vergangenheitsbewältigung und der Frage der Kollektivschuld zeigt. Dadurch entstehen emotionale Vorbehalte zwischen Personengruppen und zwischen Generationen, die es abzubauen gilt.
Emotionen werden von bestimmten Situationen ausgelöst, die sich künstlich simulieren lassen, z.B. durch das Fernsehen. Mit seiner Hilfe ist die simultane Stimmungsübertragung auf Millionen von Individuen zugleich möglich. Sie wird verstärkt durch das Phänomen der "political correctness", welche die Informationslage der gesamten Bevölkerung einheitlich prägt.
Andererseits betont die klassische verhaltensbiologische "Umweltlehre" die Unterschiede in dem Gesamtbild, das sich die Individuen von ihrer subjektiven Umgebung und Lage bilden. Am einheitlichsten ist die Stimmungs- und Informationslage innerhalb ein und derselben Generation; denn ihre Angehörigen haben jeweils dieselben Ereignisse im selben Alter erlebt.
Meinungsunterschiede zwischen den Generationen sind, da sie Familien entzweien, besonders schädlich. Abhilfe schafft eine Angleichung der Informationslage. Dies wird dargestellt am Beispiel der Informationssituationen und Wertvorstellungen der Vorkriegs-, der Nachkriegs- und der heutigen Generation.
Die erwähnten Konflikte werden neuerdings überschattet von Problemen infolge Veränderung der Population durch Zuwanderung. Hier geht es um das Verhalten der Menschen hinsichtlich der Reproduktion. Die populationsdynamische Analyse ergibt, daß hier bereits irreversible Fakten geschaffen worden sind.
Die Konfliktvermeidung hängt davon ab, wie weit das "Gruppenbewußtsein" und der Gruppenegoismus erweitert und von den ähnlichen und verwandten Gruppen auch auf andere übertragen werden können und welche Voraussetzungen die anderen Gruppen für ein entsprechendes Zugehörigkeitsgefühl erbringen müssen. Die dazu notwendige Überwindung ererbter Verhaltensmuster wird diskutiert.