Am Ende dieses Jahrhunderts wird, kontrovers genug, die Einsicht erarbeitet: Uns fällt die ungeheure Verantwortung dafür zu, daß es in Zukunft überhaupt noch eine Menschheit gibt, und zumal dafür, daß sie auch moralfähig ist, insofern sie noch ökologische und soziokulturelle Bedingungen vorfindet, welche es ihr erlauben, ihrerseits Verantwortung wahrzunehmen. So zeichnet sich die Idee einer Zukunftsverantwortung ab, deren Stellenwert aber noch ebenso umstritten ist wie ihre Reichweite und praktische Anwendbarkeit.
Jene Idee hat einen radikalen argumentativen Diskurs in Gang gebracht, der viele unserer plausiblen Erwartungen enttäuscht. Unterwirft er doch den Geist der Zeit selbst, die Praxis der Marktwirtschaft und der hochtechnologischen Zivilisation einer kritischen Prüfung.
Die Prüfung setzt ein bei dem (Beinahe-)Konsens der Philosophen, demzufolge jede Verbindlichkeit - auch die Pflicht, Zukunftsverantwortung wahrzunehmen - einzig und allein von der Entscheidung der Subjekte abhängig sei, so daß es einsehbare und daher allgemein verbindliche moralische Prinzipien nicht geben könne. Ebenso kritikwürdig ist die wissenschaftsschonende Annahme, die Antworten auf die ökosoziale Globalkrise könnten oder sollten einfach in der praktischen Umsetzung unserer wissenschaftlichen Rahmen und Theorien bestehen. Der Kritik unterliegt auch unser öffentlicher Sprachgebrauch, der meint, es handele sich bloß um eine ökologische oder ökosoziale Krise.
Zu prüfen ist nicht zuletzt die verbreitete Politikerauffassung, politische Verantwortung bemesse sich in erster Linie am kurzfristigen gesellschaftlichen Erfolg, zumal an einem durch technologischen Fortschritt zu gewährleistenden Wirtschaftswachstum; erst danach und auf dieser Basis komme die ökologische bzw. sonstige Zukunftsvorsorge in Betracht.