Währungsunion - Europa auf dem Irrweg

Ringvorlesung Energie - Umwelt - Gesellschaft

Referent:
Dr. Bruno Bandulet, Finanzexperte, Buchautor, Bad Kissingen
Ort:
Chemiegebäude Takustr. 3, Hörsaal
Zeit:
Mittwoch, 1997-11-19 18:15 - 20:00 Uhr

Thesen des Vortrags:

  1. Ursprüngliches Motiv das Maastrichter Vertrages war der Wunsch Frankreichs, "die D-Mark loszuwerden" (Jacques Attali).

  2. Inzwischen wurden andere Motive und Begründungen nachgeschoben - auch von deutscher Seite. Einen zwingenden ökonomischen Grund gibt es jedoch nicht (Tietmeyer).

  3. Bei der Ausarbeitung des Maastrichter Vertrages wurden fünf grundlegende Fehler gemacht.

  4. So, wie er gedacht und konzipiert war, ist der Maastrichter Vertrag bereits überholt und nicht mehr zu erfüllen.

  5. Die Europäische Währungsunion birgt große Risiken - höhere Inflationsraten sind nur eines davon, nicht einmal das wichtigste.

  6. Kann der Euro auch nach der Einführung 1999 noch scheitern? Ja!

  7. Europa ist kein optimales Währungsgebiet. Die Währungsunion wird Europa voraussichtlich nicht einigen, sondern spalten. Der Euro ist ein sozialer Sprengsatz für den Kontinent. Wer gegen den Euro ist, ist vermutlich ein besserer Europäer als jemand, der dafür ist.

Bruno Bandulet

Jahrgang 1942, engagierte sich in jungen Jahren in der Europaunion und nahm später (im Streit zwischen Atlantikern und Gaullisten) Partei für die deutsch-französische Partnerschaft. Er war Mitglied der Chefredaktion zweier großer deutscher Blätter, bereiste die Welt als internationaler Sonderkorrespondent und lebte in den achtziger Jahren im südenglischen Surrey, bevor er mit seiner Familie nach Deutschland zurückkehrte. Er veranstaltet seit 1980 Finanzseminare in Deutschland und der Schweiz, hält Vorträge in Europa und Übersee und schreibt monatlich zwei Informationsdienste: den Finanzreport Gold & Money Intelligence und den DeutschlandBrief, der sich vor allem mit dem Projekt Euro befaßt. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, zuletzt Das Maastricht Dossier, Deutschlands Weg in die dritte Währungsreform (1993) und das 1997 erschienene Buch Was wird aus unserem Geld?


Verantwortlich: Elmar Altvater.
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