Endnutzerförderung Chemiedatenbanken: Vorhabenbeschreibung (Management)

Allgemeine Darstellung eines Verbundprojekts der Gesellschaft Deutscher Chemiker zur Förderung der Endnutzer elektronischer Fachinformation an den Chemie-Fachbereichen der Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland

1. Gesamtziel des Vorhabens - Ausgangssituation und Perspektiven

Die Wissenschaft der Chemie hat, wenn man Unstetigkeiten infolge der Weltkriege und ihrer Folgen herausnimmt, ein exponentiell wachsendes Faktenwissen hervorgebracht, mit heute fast 10 Millionen bekannten molekularen Verbindungen und hunderttausenden von Feststoffen, deren Eigenschaften von weiteren Randbedingungen als nur ihrer makroskopischen Zusammensetzung abhängen. Diese so zahlreichen Stoffe bzw. Verbindungen sind durch Umwandlungswege (Synthese, Metabolismus, Abbau) miteinander verknüpft und durch Eigenschaftsparameter (Struktur, Analyse) gekennzeichnet, die Eigenschaften, Synthese und Wirkung noch unbekannter Stoffe abschätzen lassen. Die Nutzung von fachspezifischer Information ist für den forschenden und entwickelnden Chemiker daher unerläßlich und wird im Bereich Sicherheit, Arbeitsschutz und Umweltschutz auch für die weiteren Chemieberufe und die Chemie tangierende Bereiche in Zukunft rasch an Bedeutung gewinnen. Fachinformation im engeren Sinne begann in der Chemie mit dem "Chemischen Zentralblatt" (ursprünglich "Pharmazeutisches Zentralblatt") im Jahre 1830. Bis vor ca. 20 Jahren bestanden zwei gedruckte aktuelle Referateorgane (neben dem dann eingestellten "Zentralblatt" die "Chemical Abstracts") nebeneinander, ergänzt durch große Werke wie "Beilstein" und "Gmelin" und andere.

Der enorme Umfang an Faktenwissen in allen Bereichen der Chemie führte im Zusammenhang mit der Entwicklung der technischen Möglichkeiten (Hardware und Software) zum Aufbau elektronischer Datenbanken und zur Entwicklung von Retrievalsystemen. Die Zahl und der Umfang von chemierelevanten Datenbanken ist beträchtlich.

Der direkte Zugang zu Literatur- und Faktendatenbanken ist heute ebenso Voraussetzung für eine effiziente Forschung wie beispielsweise Bibliothek oder Rechenzentrum. Zwar wird die elektronische Fachinformation an den Hochschulen bereits genutzt, aber in Qualität und Quantität der Nutzung bestehen von Fachbereich zu Fachbereich beträchtliche Unterschiede. In der Mehrzahl der Fälle ist die Online-Recherche noch immer kein selbstverständliches Werkzeug des Chemikers geworden. Das liegt in besonderem Maße an der ungenügenden Adaptation an die Suchstrategie in Online-Datenbanken. Während der Wissenschaftler seine Suchstrategie bei der Suche in gedruckten Werken oftmals unbewußt den gefundenen Informationen anpaßt, sie einengt, erweitert oder gar die Suchbegriffe ändert, muß ein derartiges nichtcomputergerechtes Verhalten bei der Online-Auftragsrecherche zur Unzufriedenheit hinsichtlich des Suchergebnisses und zu unnötig hohen Kosten führen. Bei der Online-Recherche gelangt der Suchende von seinem Ausgangsbegriff, seiner Suchfrage, wie durch einen Tunnel zur Zielinformation. Es ist daher zweckmäßig, zunächst unabhängig vom Rechner die Komponenten der Suchstrategie zu erarbeiten und sinnvoll logisch miteinander zu verknüpfen. Weil dies bei der Suche in gedruckten Werken nicht bewußt und systematisch gelernt wird, fällt es dem Wissenschaftler schwer, Suchstrategien für elektronisch gespeicherte Informationen zu entwickeln. Um hier eine Änderung herbeizuführen sind folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

  1. Der Suchende muß wissen, wie man eine Suchstrategie systematisch aufbaut.
  2. Der Suchende muß den Erfassungsbereich, den Aufbau und die innere Struktur der Datenbank kennen.

Damit ist die Notwendigkeit der umfassenden Schulung der Wissenschaftler in der Nutzung elektronischer Fachinformation, die Schulung in der Nutzung elektronischer Datenbanken, begründet. Die Nutzung elektronischer Datenbanken durch den Wissenschaftler selbst, das Endnutzerkonzept, ist in vielen Fällen effektiver als die Inanspruchnahme einer Informationsvermittlungsstelle. Diese Meinung wird aufgrund der hochgradig spezifischen Informationsprobleme und der Komplexität des Retrievals in der Chemieinformation auch von Informationsvermittlern vertreten. Als Endnutzer betrachten wir hier den Personenkreis der Doktoranden, Diplomanden und des festangestellten wissenschaftlichen Personals. Dieser Endnutzer kennt und stellt sein Informationsproblem selbst, recherchiert die benötigten Informationen in Datenbanken, bewertet diese Information und verarbeitet sie weiter. Mit dem Projekt "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" wird das Ziel verfolgt:

Da die zukünftige wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in der Chemie (Biochemie, Pharmazie, Pharmakologie, Pharmakognosie, Molekularbiologie, Molekularmedizin, Materialwissenschaft) erheblich von der raschen und kompetenten Nutzung elektronischer Information abhängt, ist es wünschenswert, den Erfolg des Hauptprojekts auch über die Phase der Förderung hinaus wissenschaftlich kritisch zu evaluieren, neben einer laufenden Kontrolle durch die GDCh. Das sollte von allen Beteiligten angestrebt werden und verlangt ein großes Maß an Vertrauen und Selbstkritik.

Elektronische Fachinformation wird an Hochschulen zwar bereits genutzt, aber quantitativ unbedeutend im Vergleich zur gedruckten Information und mit sehr unterschiedlicher Intensität von Fachbereich zu Fachbereich bzw. Arbeitsgruppe zu Arbeitsgruppe. Da regelhaft keine eigenen Finanzmittel für elektronische Fachinformation an den Fachbereichen existieren (oder bekannt sind), ist es für Nachwuchswissenschaftler nicht ihrer eigenen Entscheidung überlassen, ob sie sich dieser Möglichkeiten bedienen, sondern hängt von der Einstellung des Arbeitsgruppenleiters und dem Vorhandensein von Drittmitteln ab, ggf. auch von der gegenseitigen Deckungsfähigkeit von Forschungsmitteln. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker zählt nach ihrer im Jahre 1992 geänderten Satzung auch die Förderung von modernen Informationssystemen zu ihren Aufgaben. Die GDCh nimmt die Gesamtleitung und Steuerung des Verbundprojektes "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" wahr.

Die GDCh wird in den ihr gehörenden bzw. im VCH-Verlag erscheinenden Medien das Projekt kostenfrei durch entsprechende Werbe- und Erläuterungsarbeit fördern.

Der Verwaltungsapparat und die Daten der GDCh-Geschäftsstelle werden für die organisatorische Abwicklung des Projekts zur Verfügung stehen. Die GDCh wird ihre 60 Ortsverbände in die Betreuung der einzelnen Teilprojekte einbeziehen, insbesondere in das hochschulübergreifende Kontrollsystem. Die GDCh wird ihre Organisationsstruktur und Informationsmedien auch dafür zur Verfügung stellen, daß die Fachinformationsbeauftragten der Fachbereiche einen unbehinderten und kostengünstigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch pflegen können, auch nach dem Ende des Projekts.

Die GDCh wird bei den fördernden Mitgliedern (Firmen) die Berücksichtigung der erworbenen Qualifikation einfordern, nachdem sie sie ebenfalls dort entsprechend bekannt gemacht hat.

Die GDCh wird im Rahmen ihrer öffentlichen Aufgaben zur Stellenvermittlung von Chemikern die Qualifikation bei Bewerbern nachfragen, ggf. formal überprüfen, und bekanntmachen, d.h. bei der Vermittlung ausdrücklich nutzen.

Die GDCh wird Personalkapazität für die Begleitung der Vorphase und zu Beginn der Hauptförderung über die oben genannten Tätigkeiten hinaus zur Verfügung stellen, soweit die Funktion der Geschäftsstelle dadurch nicht in Mitleidenschaft gezogen wird.

2. Bezug des Vorhabens zu den förderpolitischen Zielen der Förderprogramme

Das eigentliche Ziel des Projekts entspricht dem Ziel "Steigerung der Nutzung von Fachinformation", hier durch das Verfahren der Endnutzerförderung. Der BMFT hat in den vergangenen Jahren wichtige Schwerpunkte bei der Förderung der Produktion elektronischer Datenbanken gesetzt, wovon die Chemie in großem Maße profitiert hat. Wenn die Akzeptanz dieser Fachinformation bisher noch zu wünschen übrig ließ, kann mit der Endnutzerförderung diesem Mangel, wie unter 1. beschrieben, nicht nur an Hochschulen begegnet werden, sondern auch Industrie und Wirtschaft mit akzeptabler zeitlicher Perspektive geschultes Personal zur arbeitsplatznahen Informationsbeschaffung zur Verfügung gestellt werden (S. 34ff und S. 51f des Fachinformationsprogramms der Bundesregierung 1990-1994). Durch das Projekt soll die Nutzung elektronischer Fachinformation an den Hochschulen auf hohem Niveau stabilisiert werden, ein Transfer in die Wirtschaft erzeugt und geholfen werden, eine bessere Kostendeckung für die Erarbeitung elektronischer Fachinformation zu erreichen. Nur mit einer großen Zahl kompetenter Nutzer in allen Bereichen der Wirtschaft wird es überdies möglich sein, diejenigen Felder elektronischer Fachinformation frühzeitig zu erkennen, auf denen eine allein von Marktkräften getragene Fortentwicklung möglich ist.

3. Wissenschaftliche und technische Arbeitsziele des Vorhabens

3.1. Voraussetzungen

Da die Kosten für die Nutzung externer Datenbanken eines der Haupthindernisse der breiten Nutzung sind, werden die Datenbanken zu einem Festpreis zur Verfügung gestellt. Bei Universitäten, die einen Campusvertrag mit STN International (FIZ Karlsruhe) über einen Festpreis zur Datenbanknutzung haben, wird das Projekt ohne weitere Zusatzbestimmungen auf der Basis des Campusvertrages durchgeführt. Für Einrichtungen, wo das noch nicht der Fall ist, schließt die GDCh mit STN International ein Festpreisabkommen zur Nutzung von Datenbanken der deutschen Chemiefachinformation ab (s. Anlage) und stellt in diesem Rahmen den Einrichtungen eine beliebige Anzahl von LOGINID's zur Verfügung. Pro Forma Rechnungen über die Nutzung der angebotenen Datenbanken werden monatlich von STN International an die GDCh gesandt und von dort an die Fachbereiche, im folgenden Projektnehmer genannt, weitergeleitet. Vom FIZ Karlsruhe wird chemiespezifisches flexibel einsetzbares Lehr- und Schulungsmaterial angeboten, das im Rahmen des Projekts genutzt werden soll (Lerndatenbanken auf CD-ROM mit denen die Endnutzer in Verbindung mit STN Expreß und dem STN Personal File System das Online-Datenbankretrieval allgemein und filespezifisch trainieren können, Software). Die GDCh schließt mit den Fachbereichen eine Kooperationsvereinbarung ab (s. Anlage), die die entsprechenden Aufgaben der GDCh und der Fachbereiche festschreibt.

3.2. Aufgaben der Projektleitung

Die Aufgaben der Projektleitung liegen nach der Anlage des Verbundprojekts in vier Bereichen, die in der folgenden Abbildung dargestellt sind (Abb. z.Zt. nicht verfügbar): Projektmanagement, Schulung, Wissenschaftliche Begleitung, Industriekontakte und Ergebnistransfer.

Dabei wird sich der zeitliche und personelle Einsatz der Mitarbeiter innerhalb der vier Managementbereiche im Laufe des Projekts gemäß den Angaben im Zeitablaufplan (s. Abbildung 1) ändern. Auf Grund der Breite des Projekts und des Umfangs der zu lösenden Aufgaben wird die Stärke des Projektmanagements wie folgt veranschlagt: 1 Projektmanager (habilitierter Chemiker) mit spezieller Berufserfahrung, der die wissenschaftliche Begleitung des Projekts (s. unten) und die Evaluierung der Datenbanknutzung leitet und für die organisatorische Gesamtleitung und Erfolgskontrolle verantwortlich ist. 1 wissenschaftlicher Mitarbeiter (promovierter Chemiker) mit Rechercheerfahrung in elektronischen Datenbanken, der für die Koordinierung des Schulungskonzepts (organisatorisch und inhaltlich) verantwortlich ist und ein einheitliches Schulungsmaterial erarbeitet, das auch und insbesondere nach Projektende eingesetzt werden soll. Mitarbeit bei der Evaluierung der Datenbanknutzung. 1 Projektkoordinator mit spezieller Erfahrung, der für die finanztechnische Seite der Projektabwicklung verantwortlich ist (Finanzcontrolling), die anfallenden Sachaufgaben erledigt, bei der Evaluierung der Datenbanknutzung mitarbeitet, die umfangreichen Arbeiten im Zusammenhang mit dem Kooperationsvertrag mit dem FIZ Karlsruhe erledigt und die Softwarebeschaffung für die Fachbereiche koordiniert. Im folgenden werden die Aufgaben in den einzelnen Managementbereichen detailliert dargestellt.

3.2.1. Projektmanagement

Das Projektmanagement hat insgesamt die Kontakte zu den Hochschulen zu pflegen, das Schulungskonzept durchzusetzen, die Qualität der externen und internen Schulungen zu kontrollieren und zu bewerten und die Nutzung der Datenbanken zu evaluieren. Es wird die Fachbereiche beim Softwareerwerb beraten und unterstützen und bei auftretenden Hardwareproblemen (z. B. Netzanbindung) die notwendige Hilfe vermitteln. Das Projektmanagement wird die geplanten Workshops inhaltlich und organisatorisch vorbereiten, die Anträge und Verträge der Fachbereiche aus- und bearbeiten und mit den Datenbankherstellern und dem Hostbetreiber in ständigem Kontakt stehen, um auch ein Angebot für die Fachbereiche nach Ende des Projekts zu vermitteln. Eine weitere Aufgabe besteht in der Erfassung, Auswertung und Weiterleitung der eingehenden Daten an die Fachbereiche. Das Projektmanagement wirbt im Rahmen des Projekt für die Nutzung der deutschen Datenbanken und gibt den Datenbankherstellern, Softwareproduzenten und Verlagen die Möglichkeit, sich auf Veranstaltungen im Rahmen des Projekts "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" zu präsentieren.

3.2.2. Schulung

3.2.2.1. Ziele der Schulungsmaßnahmen

Für den Komplex Schulungen innerhalb des Projektes "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" ergeben sich die nachstehenden Zielstellungen:

Die Vermittlung von Kenntnissen über den Aufbau von Datenbanken sowie der notwendigen Retrievalsprachen. Dieses Wissen bildet nicht nur die Voraussetzung zur Suche in den Datenbanken, sondern ermöglicht es auch, daß man sich sowohl in unbekannten Files zurechtfinden kann, als auch daß man dieses Hintergrundwissen gut gebrauchen kann, wenn man eigene Datenbanken aufbauen möchte.

Die präzise Formulierung des Rechercheproblems und Ableitung der am schnellsten zum gewünschten Ziel führenden Suchstrategie. Die Wichtigkeit dieses Punktes ergibt sich aus der Struktur der anfallenden Recherchekosten und dem Wunsch, ein umfassendes und vor allem, ein vollständiges Ergebnis zu bekommen.

Die Aneignung von Kenntnissen über die für den Chemiker interessanten, verfügbaren Datenbanken und der daraus resultierenden Auswahl des relevanten Files. Dadurch soll initiiert werden, daß der Wissenschaftler nicht die Datenbank wählt, in der er mit großer Wahrscheinlichkeit etwas findet (ein Verhalten, das z. Z. noch in relativ hohem Maße die Suchstrategie bestimmt), sondern diejenige, die die gesuchten Informationen enthält.

Die Möglichkeiten zur Kostenminimierung bei der Online-Recherche. Hier kann aber nur ein Stand der Dinge vermittelt werden, da es von der Preispolitik der Hosts und Datenbankproduzenten abhängt, wann z.B. welche Display-Formate preisreduziert oder kostenlos sind. Man kann den zu Schulenden aber dafür sensibilisieren, so daß er auch später weiß, in welche Richtung er sich informieren muß.

Der Aufbau eigener, persönlicher Datenbanken. Es kommt hier darauf an, daß die Lehrgangsteilnehmer mit den gewonnenen Informationen auch nach deren unmittelbarer Auswertung bzw. Verwertung ökonomisch umgehen, d. h. das Wissen darf nicht verloren gehen, sondern muß auch für spätere Problemlösungen greifbar sein. Damit eng im Zusammenhang steht allgemein die Aufbereitung und Pflege von aus verschiedenen Quellen (Datenbanken, Forschungsarbeit, gedruckte Informationsquellen usw.) gewonnenen Daten.

Die Ausbildung von qualifiziertem, internem Schulungspersonal in den Fachbereichen. Diese Schulungsziel ist von besonderer Bedeutung, da es auf lange Sicht nur dann möglich ist, die Kontinuität der Maßnahmen auch über das Projektende hinaus zu wahren, wenn die Fachbereiche in der Projektlaufzeit befähigt werden, die Schulungen mit eigenen Mitteln und mit eigenem Personal fortzuführen.

Wie weiter oben schon erwähnt, ist der erreichte Stand auch in Bezug auf die Ausbildung der Studenten in der Online-Datenbankrecherche an den einzelnen Fachbereichen recht unterschiedlich. Darum wird eine Wichtung der genannten Schwerpunkte in Abhängigkeit von den konkreten Bedingungen in der Lehreinrichtung notwendig und auch möglich sein.

3.2.2.2. Zielgruppen und zeitliches Konzept

Als Endnutzer im oben genannten Sinne kommen an den Fachbereichen bzw. Fakultäten für Chemie die folgenden Personenkreise in Frage:

a) die Diplomanden
b) die Doktoranden und
c) das festangestellte wissenschaftliche Personal.

Zu diesen Zielgruppen ist folgendes zu bemerken: Mit einer kurzfristigen Einbindung der im vorliegenden Projekt verfolgten Ziele in die Ausbildung der Studenten kann auf Grund der Zuständigkeit der Bundesländer für die Lehrpläne an den deutschen Hochschulen nicht gerechnet werden. Nur in Ausnahmefällen ist dies möglich, wenn durch entsprechend starke Protagonisten der elektronischen Informationsbeschaffung die Einbindung in die Lehrpläne bereits erfolgt ist oder angestrebt wird. In den ersten Projektjahren muß deshalb davon ausgegangen werden, daß die Schulungsmaßnahmen in den laufenden Studienbetrieb eingeschoben werden müssen bzw. aufgesetzt werden und darüber hinaus diese auf fakultativer Basis den Studenten als Zusatzangebot zur "Weiterbildung" unterbreitet werden. Die bisherigen Gespräche haben aber gezeigt, daß das Interesse bei den Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern relativ groß ist, so daß unter Umständen Engpässe bei der Beschaffung von externem Schulungspersonal (siehe hierzu auch Abschnitt 4) auftreten könnten.

Um diesen Umständen insgesamt gerecht zu werden, wird das in Abb.2 skizzierte zeitliche Konzept verfolgt. Begonnen werden sollte nach Möglichkeit (sofern nicht die Studienpläne bzw. andere fachbereichsspezifische Gründe dagegen sprechen) mit den Doktoranden im zweiten Jahr der Promotionsarbeit. Diese bieten sich aus folgenden Gründen an:

a) Eine Unterbringung der Maßnahmen in den laufenden Studienbetrieb ist bei ihnen am einfachsten, da sich eine Änderung in ihrem Ausbildungsprogramm auf unterer Ebene Institut / Arbeitsgruppe) organisieren und absprechen läßt.
b) Durch den relativ nahen Eintritt ins Berufsleben ist gewährleistet, daß die weiterführenden Ziele der GDCh ("Rückkopplung" aus der Industrie, d. h. Abforderung der Kenntnisse in der Literaturrecherche in elektronischen Medien) relativ früh zum Tragen kommen können.
c) Es wird eine Minimierung der "Schulungsverluste" erreicht; der überwiegende Anteil der jetzt in der Ausbildung befindlichen Studenten bzw. Doktoranden wird erfaßt. Eine generelle Einbeziehung der Doktoranden im letzten Jahr der Promotion erscheint nicht möglich, da die betreffenden in dieser Zeit sicherlich mit der Abfassung ihrer Dissertation bzw. abschließenden Arbeiten beschäftigt sind. Wenn im Einzelfall der Wunsch bestehen sollte, so können diese natürlich in die Ausbildung integriert werden.
d) Sie können die neu erworbenen Kenntnisse noch in ihrer verbleibenden Zeitspanne an der Hochschule in der Forschung verwenden.

Zu den genannten Doktoranden kommen dann pro Studienjahr und Fachbereich noch durchschnittlich fünf weitere Kursteilnehmer aus dem Kreis des festangestellten wissenschaftlichen Personals hinzu. Sie sollen als sogenannte Multiplikatoren an den Fachbereichen wirken und auf mittelfristiger Ebene die Schulung in vollem Umfang in ihre Hände nehmen.

Im Laufe des Projekts werden, in Abhängigkeit von den Kapazitäten, neben den verbleibenden Doktoranden in immer stärkeren Maße die Diplomanden einbezogen (siehe Abb.2), bis die Schulungsinhalte im Idealfall in den Semestern vor der Diplomphase (S44) in einer zweckerfüllenden Art und Weise in die Ausbildung der Chemiestudenten fest eingebunden sind, damit die Vorzüge der elektronischen Informationsbeschaffung schon im Studium zum Tragen kommen. Dieses Ziel wird an allen Fachbereichen nicht in der gleichen Zeitspanne zu erreichen sein, da hier die momentan herrschenden bzw. erreichten Bedingungen von eminenter Bedeutung sind. Deshalb darf der Zeitplan nicht als starres Schema angesehen werden, sondern muß für jeden Fachbereich spezifiziert werden. Wichtig ist auf jeden Fall, daß die Kontinuität der Ausbildung nach Projektabschluß gewahrt wird.

(Abb. 2: Zeitliches Konzept der Endnutzerschulung; z.Zt. nicht verfügbar)

3.2.2.3. Zahlenmaterial zur Ermittlung der notwendigen Schulungskapazitäten

Zur Bestimmung dieser Zahl wird im einzelnen angesetzt:

Aus diesen Werten errechnet sich ein Bedarf von etwa 16 Referenten jährlich, wenn man davon ausgeht, daß der Referent allein für das Projekt 120 Tage im Jahr zur Verfügung steht. Kommerzielle Schulungsanbieter haben die Machbarkeit dessen bestätigt.

3.2.2.4. Internes und externes Schulungspersonal / Qualitätssicherung der Schulungen

3.2.2.4.1. Externes Schulungspersonal

Für die Kategorie "externes Schulungspersonal" kommen prinzipiell neben den herkömmlichen Schulungsanbietern (private Informationsvermittlungsfirmen und Fachinformationszentren) auch die an den Hochschulen existierenden Schulungszentren von STN International und die Hersteller der im Projektpaket enthaltenen Datenbanken in Frage. In den ersten beiden Projektjahren ist von diesen externen Schulungsanbietern die Hauptlast der Ausbildung zu tragen. Sie müssen den zu erwartenden Peak des Schulungsbedarfs abfangen und auch gleichzeitig qualifiziertes internes Schulungspersonal ausbilden, welches sie sukzessive ersetzen kann, wenn den Fachbereichen nicht mehr die Mittel in diesem großen Umfang zur Heranziehung von externen Firmen zur Verfügung stehen. Im einzelnen wurden die nachfolgenden externen Schulungsanbieter in Betracht gezogen und mit ihnen Kontakte aufgenommen:

  1. BEILSTEIN Institut, Frankfurt (Main);
  2. Chemical Concepts, Weinheim;
  3. FIZ Chemie, Berlin;
  4. FIZ Karlsruhe;
  5. Fa. IDB, Erlangen;
  6. GMELIN Institut, Frankfurt (Main);
  7. Fa. Kramer & Hoffmann, Saarbrücken;
  8. Fa. OTTI, Regensburg;
  9. Prof. Salzer und Mitarbeiter, TU Dresden;
  10. Dr. Herta Schönmann - Lange, Stockdorf;
  11. Dr. N. Skurcz, Plankstadt;
  12. Springer Verlag, Heidelberg;
  13. STN Schulungszentrum, Merseburg; Prof. Krug, FH Merseburg;
  14. Technologie-Transfer GmbH, Heidelberg und
  15. Fa. WIND, Köln.

In der Vorphase der Ausbildung wird bzw. wurde persönlich Kontakt zu diesen genannten Personen bzw. Institutionen aufgenommen, um vor Ort einen ersten Eindruck über die fachliche Qualifikation und Möglichkeiten der potentiellen Ausbilder zu erhalten. Hierzu werden auch die Beurteilungen bzw. Referenzen Dritter eingeholt. In Abstimmung mit den Fachbereichen wird dann von der GDCh der Einsatz des Schulungspersonals unter dem Blickwinkel einer hohen Qualität der Ausbildung und einer gleichzeitigen Minimierung der Kosten (z. B. der Fahrtkosten durch möglichst kleine Reisewege koordiniert und optimiert). Die Qualität der Ausbildung muß durch geeignete Kontrollmechanismen in den Fachbereichen ständig überprüft werden.

3.2.2.4.2. Internes Schulungspersonal

An einigen Universitäten bestehen interne Schulungsressourcen, die z. T. auch schon Chemiker in der elektronischen Fachinformation schulen. Auch diese sollen in das Projekt eingebunden werden. Zur Sicherung eines einheitlichen Niveaus in der Ausbildung wurde ein Fragebogen entworfen, der einen Beleg dafür darstellen soll, daß die Ausbildungsqualität der internen Schulung den professionellen Ausbildern in nichts nachsteht. Damit ist gerechtfertigt, daß die Fachbereiche bei der Erbringung der Eigenleistungen die gleichen Sätze für die Abrechnung zugrunde legen können, die auch für die externen Schulungsanbieter veranschlagt werden. Auch hier soll durch regelmäßige Evaluierung eine Qualitätssicherung erfolgen.

3.2.2.5. Inhaltliche Konzeption der Schulung

Der Schulungsblock von 10 Tagen soll in verschiedene Abschnitte unterteilt werden. Zwischen diesen Abschnitten werden die Kursteilnehmer Zeit und Gelegenheit erhalten, um das Gelernte zu verarbeiten und um üben zu können. Die Dauer dieser "Zwischenpausen" hängt neben den terminlichen Bedingungen von Seiten der Lehrkräfte natürlich auch vom Studienplan an den Hochschulen, der Verfügbarkeit von Schulungsräumen (in der Regel soll die Schulung in den in den meisten Fällen an den Hochschulen vorhandenen Rechnerpools unterschiedlichster Art erfolgen) und anderen Dingen ab. Auch hier ist eine hohe Flexibilität des Konzepts gefragt.

Konkret wird inhaltlich folgendes geplant:

Abschnitt A:

1-2 Tage Grundlagen zu allgemeinen Fragestellungen, z. B.:

ca. 6-8 Wochen Zwischenraum zur Übung

Abschnitt B:

Spezieller Komplex zu den Chemiedatenbanken mit Schwerpunktsetzung nach Bedarf (5 bis 6 Tage)

ca. 6-8 Wochen Zwischenraum zur Übung

Abschnitt C:

Patentwesen und Patentinformation mit Online-Übungen (2-3 Tage)

Abschnitt D:

Expertenkurse für die festangestellten Mitarbeiter ("Update" und Vertiefung der Kenntnisse) in mglw. Workshop-Form

Im Abschnitt A werden die Grundlagen gelegt und auch Fragen der Datenpflege behandelt. Danach sollten die Teilnehmer in der Lage sein, das Erlernte selbständig mit Hilfe einer CD-ROM zu festigen und auch einfachste Beispiele online zu recherchieren. Das wird im Abschnitt B vertieft und auf das Forschungsprofil bzw. die Arbeit des Einzelnen abgestimmt, so daß nunmehr umfassendere Recherchen zu eigenen Problemen möglich sind.

Auf Grund verschiedener Ursachen und Entwicklungen ist es für viele Chemiker heute unverzichtbar, einen, wenn auch groben, Einblick in die Problematik des Patentwesens und der Patentdatenbanken zu bekommen. Diesem Umstand trägt der Block C Rechnung. Der Abschnitt D ist im Prinzip für die Weiterbildung der internen Schulungskräfte gedacht.

Auch für die Schulungsinhalte gilt: Je nach Stand der Fachbereiche in der Frage der Ausbildung der Studenten in der Informationsbeschaffung mit Hilfe von Online-Datenbanken können in den Komplexen bestimmte Schwerpunkte gesetzt werden. So liegt es auf der Hand, daß man sich in relativ weit fortgeschrittenen Fachbereichen nicht mit den Grundlagen lange aufhält, sondern z. B. stärkere Akzente auf die Patentdatenbanken o. ä. setzt.

3.2.2.6. Schulungsmaterialien

In Zusammenarbeit mit den externen Schulungsfirmen wird die Entwicklung eines einheitlichen Schulungsmaterials angestrebt, welches den Fachbereichen zur Verfügung gestellt werden soll. Hierzu kämen nach Stand der Dinge die Fa. TT Heidelberg oder die Fachinformationszentren in Frage. Weiterhin wird geprüft, ob den Fachbereichen aus den Verlagsangeboten bestimmte Buchtitel zur Thematik empfohlen werden kann bzw. ob in diesem Zusammenhang Sonderkonditionen ausgehandelt werden können.

Im FIZ Karlsruhe wird eine Trainings-CD-ROM erstellt, die im Rahmen eines Programmpaketes den Fachbereichen zu Sonderpreisen überaus günstig und in ausreichender Stückzahl angeboten wird.

3.2.2.7. Schlußbemerkungen

Das vorliegende Konzept dient dazu, die Absolventen der Fachrichtung Chemie der deutschen Hochschulen zu befähigen, in den verschiedensten Datenbanken im Sinne einer "Fahrerlaubnis" zu recherchieren. D. h., in dieser relativ kurzen Kursdauer werden keine Profis ausgebildet, sondern nur durch ständiges Üben wird der angehende Rechercheur sein Fahrzeug beherrschen, sprich die Datenbanken optimal nutzen können. Die Studenten werden an den Umgang mit modernen Werkzeugen herangeführt (Vermeidung des modernen Analphabetismus). Nachdem durch die öffentliche Hand mit erheblichen Mitteln dafür die besten Voraussetzungen geschaffen worden sind, besteht an den Hochschulen die Verpflichtung zur überdurchschnittlichen Nutzung der elektronischen Fachinformation und damit der objektive Zwang zur Ausbildung in der Handhabung derartiger Medien. Die Zielrichtung des Vorhabens ist geeignet, die elektronische Fachinformation in die Lehre einzubinden. Die Einbindung von Lehrveranstaltungen zur Nutzung elektronischer Fachinformation in das Curriculum ist im Zeitrahmen des Projekts möglicherweise schwer realisierbar. Es ist auch die Frage, ob eigene Lehrveranstaltungen ausgewiesen werden müssen oder ob nicht bei bestimmten Lehrveranstaltungen (z. B. Seminare zu Fortgeschrittenenpraktika) eine Hinzufügung in diesem Sinne angebracht ist. Auf Grund der Rechtslage (befristete Verlängerung der Rahmenprüfungsordnung) werden voraussichtlich an vielen Fachbereichen Neufassungen der Prüfungs- und Studienordnungen erforderlich. Die Unterweisung in den Hilfsmitteln moderner Fachinformation sollte hier bzw. in den erläuternden ausführlichen Studienplänen aufgenommen werden.

3.2.3. Wissenschaftliche Begleitung

Die Beeinflussung der Forschung durch die Nutzung elektronischer Fachinformation und umgekehrt die Rückwirkung auf diese Information soll durch eine wissenschaftliche Begleitung des Projekts durch das Projektmanagement ermittelt werden. Dabei müssen zum Teil neuartige Fragestellungen zur quantitativen und qualitativen Erfassung von Forschungsleistung, Forschungsart und Informationsfluß behandelt werden, über deren Erfolg noch keine Aussage möglich ist. Dies ist der schwierigste Teil der zu erbringenden Aufgaben, da es dafür keine triviale Methodik gibt. Das Ziel ist es, über eine genaue Erhebung (Schulungsnutzung und eigene Nutzung) und eine modellhafte Befragung zum Recherchezweck herauszufinden und nachzuweisen:

a) Wird mit der Nutzung elektronischer Fachinformation durch den Forschenden und seinen Mentor tatsächlich eine Effektivitätssteigerung erreicht und der Forschungsprozeß beschleunigt?
b) Wird durch die Möglichkeit auf einen massenhaften Informationszugriff die Art der Forschung verändert? Diese Fragestellung liegt nahe, da die Information andersartig (vollständiger, umfassender, etc.) ist. Wird die Forschung in ihrer Art besser (umfassender)? Diese Fragestellung ist sehr interessant, die Beantwortung dürfte aber auch sehr schwierig sein.
c) Kann die richtige Art der Schulung dazu führen, daß mögliche Anwendungsbezüge besser gesehen werden? Wie kann man die spezielle Suche nach Anwendungen in den Datenbanken bewirken? Das Projektmanagement wird im Laufe des Projekts nach weiteren modernen EDV-gestützten Werkzeugen suchen (Software), diese bewerten und ggf. mit dem Ziel nach neuen Ergebnissen im Forschungsprozeß (Art der Verknüpfung) empfehlen.

Eine weitere Aufgabe wird es sein, inhaltliche Lücken in den Datenbanken aufzuspüren und den Datenbankherstellern bestimmte Wünsche der Kunden zu übermitteln.

3.2.4. Industriekontakte

Mit dem Begriff Diplomchemiker bzw. promovierter Chemiker sollte in Zukunft die für das gesamte Berufsfeld wichtige Information verbunden sein, daß der Absolvent Informationen aus elektronischen Datenbanken recherchieren kann, wozu heute nur wenige Prozent der Firmen mit ihrem Personal in der Lage sind (arbeitsmarktpolitische Komponente). In den letzten Monaten hat sich der Trend verstärkt, zentrale Informationseinrichtungen in der Industrie zu schließen, d. h., man schafft die zentralen Informations-Dokumentations-Abteilungen ab. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, daß kleinere Wirtschaftseinheiten (Bereiche) eine große zentrale Abteilung nur sehr schwer finanzieren können. Da man aber auf die Information nicht verzichten kann heißt das, daß sich jeder Chemiker diese Informationen selbst beschaffen können muß. Daraus ergeben sich für das Projektmanagement eine Reihe wichtiger Aufgaben, vor allem aber die Realisierung eines ständigen Kontaktes zur Chemischen Industrie für die Dauer des Projekts "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken".

Das Projektmanagement organisiert in Zusammenarbeit mit den Abteilungen Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit sowie Tagungen und Fortbildung ein zukünftiges Fortbildungsprogramm für Mitarbeiter in der Industrie (Fortbildungseffekte).

Kleine und mittelständige Unternehmen sind gegenwärtig nicht in der Lage, die benötigten Informationen in der erforderlichen Qualität und Quantität zu beschaffen (Kosten, organisatorische Engpässe, etc.). Daher ist die GDCh bestrebt, durch ein systematisches Herangehen besonders die Klein- und mittelständigen Unternehmen anzusprechen. Dies wird eine Aufgabe des Projektmanagements im Projekt in Zusammenarbeit mit dem GDCh-Projekt "Forschungsführer" sein (Technologietransfer). Hier gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten. Entweder man stellt Informationen und ausgebildetes Personal zur Verfügung, was das Hauptziel des Projekts "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" ist. Oder aber, und das ist die Alternative, man greift auf das vorhandene Personal zurück und bildet es in der Nutzung elektronischer Fachinformation aus, wobei man auf die im Projekt erprobten Schulungen zurückgreifen kann. Das Projektmanagement wird im Laufe des Projekts auch Randgruppen der Chemie, die sich mit Material- und Stoffwandlungsproblemen beschäftigen, einbeziehen. Dem wird immer das Ziel zugrunde liegen, unter den gegebenen Voraussetzungen eine verstärkte Nutzung der deutschen Datenbanken zu bewirken.

Das Projektmanagement wird, neben der Einbindung in die Curricula, alle anderen Arten und Möglichkeiten zur weiterführenden Nutzung der deutschen Datenbanken (auch unter dem Aspekt "Vollzahler") weiterentwickeln und propagieren.

Die GDCh hat am Projekt "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" ein außerordentlich großes Eigeninteresse. Die Chemie war als Wissenschaft und teilweise auch als Wirtschaftszweig in den letzten Jahren, anteilig gesehen, ziemlich mit sich selbst zufrieden. Die GDCh möchte als Ansprechpartner für alle Probleme in der Industrie bei Stoffwandlungen einen Transfer von Gedankengut aus der Industrie in die Grundlagenforschung katalysieren.

4. Erfolgsaussichten

Die Erfolgsaussichten bei einem Projekt zur Förderung der Endnutzer für elektronische Fachinformation an den Hochschulen sind verständlicherweise gut, da primär zu günstigen Konditionen für die Fachbereiche und deren wissenschaftliches Personal wie auch für die Absolventen eine Qualifizierung erreicht wird und bereits unmittelbar im Umfeld der Angebotsnutzung eine Effizienzsteigerung der Forschung erreicht werden wird. Die Art der Nutzung elektronischer Fachinformation wird sich durch das Projekt qualitativ verändern, d. h. erstens wird der Retrievalprozeß interaktiver und zweitens werden mehr Datenbanken genutzt. Dies bedeutet aber auch, daß die Rechercheergebnisse umfassender und qualitativ besser werden. Ursächlich für diese Entwicklung ist, daß der Endnutzer nicht mehr unter dem Druck der Anschaltzeitkosten und deren schwieriger Kalkulierbarkeit steht. Daher werden mehr Nutzer als bisher auf die Datenbanken zugreifen, vorrangig auch solche, für die die Kosten bisher die Hemmschwelle darstellten. Ein Erfolg ist gleichfalls zu erwarten hinsichtlich der Fortführung der Schulungen zur Nutzung elektronischer Fachinformation nach Ende des Projekts.

Insofern ist die Frage nach der Erfolgsaussicht scheinbar auch nicht so zu stellen wie bei einem normalen Forschungsprojekt im F&E-Bereich. In der Tat ist es aber angebracht, nach einer anderen Art von Erfolg zu fragen:

Die gegenwärtig noch geringe Nutzung von elektronischer Fachinformation kann mehrere Ursachen haben. Informationsbeschaffung über die von Bibliotheken beschafften Printmedien ist scheinbar kostenlos und schnell, soweit nicht Fernleihe- oder -kopiersysteme benutzt werden müssen. Der Zugang zu elektronischer Information wird als benutzerunfreundlich empfunden. Die Resultate einer Recherche sind offenbar nicht die erwarteten oder präsentieren sich in unerwarteter Form. Eine Unterscheidung nach wichtig und weniger wichtig im Rahmen der erhaltenen Resultate erzwingt eine nachträgliche Wertung, die sonst bereits bei der klassischen Recherche selbst erfolgt.

Die Gründe für diese "Mängel", teils subjektiv teils objektiv, sind leicht erkennbar: Betriebswirtschaftliches Denken ist im Grundlagenforschungsbereich nicht trainiert oder gefordert. Der Zeitwert, insbesondere von Doktoranden, wird mit Null angesetzt. Die Leiter von Forschungsarbeiten beherrschen das elektronische Recherche-Instrumentarium oftmals selber nicht und verbergen ihre Unsicherheit durch Nutzungsbehinderung. Tatsächlich ist für eine Gewöhnungsphase der zeitproportionale Kostenfaktor Recherche prohibitiv, weil er zwischen forschungsrelevanter Nutzung und individueller Übungsphase nicht differenziert. Selbst bei betriebswirtschaftlicher Betrachtung muß klar sein, daß auch eine Printbibliothek ein Pauschalangebot an den Forscher ist. Die Datenbanknutzung läßt beim heutigen Stand der Benutzerfreundlichkeit kein "individuelles" Recherchieren zu, der Nutzer muß sich dem System in jeder Beziehung unterordnen. "Browsing" oder kreatives Zufallsarbeiten entfällt. Die Art (das Profil) der Fragestellung an eine Datenbank ist eine Funktion der Software und nicht der Einfälle des Fragenden, das Training zur DB-Nutzung ist demnach eine Anpassung an das Produkt. Der Wert der Geschwindigkeit, der Vollständigkeit, der arbeitsplatznahen Recherche, des Überblicks über ein extrem großes Material, der Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten, der Verknüpfung mit aktuellen eigenen Resultaten etc. muß demnach erlernt werden.

Erfolg des Förderprojekts im weiteren Sinne kann also erst dann als gegeben angesehen werden, wenn dieser Lernprozeß in so breiter Form erfolgte, daß erlebte Beispiele der verbesserten Resultate oder des schnelleren Erfolgs, womöglich beim Konkurrenten, zur individuellen Überzeugung führen. Da das Fachwissen weiterhin nichtlinear ansteigt, wegen der größeren Speicherkapazitäten und Suchgeschwindigkeiten aber auch immer mehr und umfangreichere Befunde digitalisiert werden können, kann das herkömmliche Literaturwesen nur in bestimmten Bereichen fortbestehen. Unabhängig davon, ob dann in Deutschland elektronische Datenbanken bereits kostendeckend angeboten werden, wird es Wettbewerbsvorsprünge geben bei denen, die im Umgang mit den modernen Informationsmedien geübter sind. In den USA werden, zunächst im educational sector, Multimedia-Anwendungen über Bildplattenlaufwerke bei noch leistungsfähigeren Rechnern eine Generation a priori Geübter hervorbringen.

Mehrere Jahrgänge von Absolventen, die in der Nutzung elektronischer Fachinformation geübt sind, sollten in ihrem späteren beruflichen Umfeld einen Nutzungsdruck erzeugen können, der - genügende Größe vorausgesetzt - die Nutzung von Datenbanken im Abonnementsystem, nicht nach Nutzungszeiten, ermöglicht. An den Hochschulen sollten neue wissenschaftliche Daten, mit zeitlicher Verzögerung auch in der Industrie, nach Konsistenzprüfung und Kontrolle auch in Datenbanken direkt einfließen können. Ein elektronisches Teilpublishing, dessen Sinn kaum bestritten wird, setzt die Akzeptanz des Zielmediums voraus; also kann auch hier mittelfristig ein indirekter Erfolg liegen.

5. Arbeits- und Zeitplan

Die Gesamtstruktur des Verbundprojektes "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" läßt sich wie folgt gliedern:

1. Vorprojekt 01. 11. 1993 - 30. 06. 1994
2. Hauptprojekt 01. 07. 1994 - 30. 06. 1997
3. Nachprojekt 01. 07. 1997 - 31. 12. 1997

Für das Projektmanagement gelten alle drei Zeitabschnitte. Die Fachbereiche Chemie führen ihre Teilprojekte im Rahmen des Hauptprojekts aus. Das Hauptprojekt läßt sich in mehrere Projektphasen unterteilen:

1. Einführungsphase (01. 07. 1994 - 30. 09. 1994): In der Einführungsphase werden die hardwaremäßigen Voraussetzungen an den Fachbereichen kontrolliert. Die benötigte Front-End-Software wird erworben und installiert. Auftretende Netzwerkprobleme werden überwunden. Die Schulungskoordinierung erfolgt. Im September findet ein Erfahrungsaustausch in Frankfurt statt (Probleme, Diskussion des Schulungskonzepts, Festschreibung der konkreten Schulungstermine für die Schulungen durch externes Schulungspersonal). Auf dieser Veranstaltung haben die Datenbankproduzenten die Möglichkeit einer Repräsentation. Desweiteren wird ausgewählte Literatur vorgestellt.

2. Erste Schulungsphase (01. 10. 1994 - 31. 03. 1995): Gemäß dem Schulungskonzept erfolgt in der ersten Schulungsphase die Multiplikatorenschulung für die benutzte Software. Es beginnen die einführenden Lehrveranstaltungen zur Retrievalsoftware etc. laut Schulungskonzeption. Einzelne Fachbereiche, die in der Nutzung der elektronischen Fachinformation schon weiter fortgeschritten sind, beginnen mit den Schulungen zu speziellen Datenbanken.

16. 01. 1995: Statusbericht an die GDCh. In den Fachbereichen erfolgt die Erarbeitung eines Schulungskonzepts für 1995 bis Projektende für die Schulung der Doktoranden und des festangestellten wissenschaftlichen Personals durch eigene Mitarbeiter. Kontrolle durch die GDCh. Herstellen der Kontakte des Projektmanagements mit der Industrie.

3. Zweite Schulungsphase (01. 04. 1995 - 31. 03. 1996): Spezieller Komplex zu den Chemiedatenbanken mit Schwerpunktsetzung nach Bedarf. Patentwesen und Patentinformation mit Online-Übungen.
Juni 1995: Erfahrungsaustausch. mit wissenschaftlichem Programm, u.a. Vorstellen spezieller Chemiesoftware.
01. 07. 1995: Statusbericht an die GDCh.
Okt. - Nov. 1995: (Regionale) Weiterbildungsveranstaltung.
Jan. - Feb. 1996: Erarbeitung eines Schulungskonzepts in den Fachbereichen für die Schulung der Diplomanden in der Vordiplomphase durch die ausgebildeten festangestellten wissenschaftlichen Mitarbeiter nach Projektende (Kontrolle durch die GDCh).
15. 01. 1996: Statusbericht an die GDCh. Verhandlungen mit FIZ Karlsruhe über die operational costs für 1996 und 1997.

4. Konsolidierungsphase (01. 04. 1996 - 31. 12. 1996): Expertenkurse für die festangestellten Mitarbeiter, "Update" und Vertiefung der Kenntnisse, möglicherweise in Workshop-Form. Erstellen eines Fortbildungsangebots für die Industrie. Erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Projektbegleitung.
Im Juni 1996: Erfahrungsaustausch. mit wissenschaftlichem Programm.
01. 07. 1996: Statusbericht an die GDCh.
Okt. - Nov.: (Regionale) Weiterbildungsveranstaltung. Diskussion der Angebote von Karlsruhe und der Datenbankproduzenten an die Fachbereiche nach Projektende.

5. Schlußphase (01. 01. 1997 - 30. 06. 1997): Die Erarbeiten eines einheitlichen Schulungsmaterials für die Verwendung nach Projektende wird abgeschlossen. In den Fachbereichen ist der Übergang auf 100%ige Ausbildung der Studenten durch internes Schulungspersonal vollzogen. Mit der Gesamtevaluierung der Datenbanknutzung im Rahmen des Projekts wird begonnen. Erste fundierte Aussagen des wissenschaftlichen Begleitprogramms liegen vor.
März 1997 Abschlußtreffen in Frankfurt.
15. 07. 1997 Abschlußbericht an die GDCh.


Dr. habil. Rainer Schütz, Projektmanager
HTML-Formatierung: Burkhard Kirste, 1994/11/14.