Chemiedatenbanken: kein Buch mit sieben Siegeln
abgedruckt in:
Nachr. Chem. Tech. Lab. 42 (11), 1128-1134 (1994)
Das weltweite Wissen in der Chemie explodiert. Fast 13 Millionen chemischer
Verbindungen sind mittlerweile bekannt; jährlich kommen rund 600.000
neue hinzu. Diese Informationsflut ist nur noch mit Hilfe elektronischer
Datenbanken zu bewältigen. Die GDCh setzt seit dem 1. Juli 1994 mit
finanzieller Unterstützung des BMFT das Verbundprojekt "Ausbildung
aller Hochschulabsolventen chemischer Fachrichtungen als Endnutzer
elektronischer Fachinformation und Ergebnistransfer in die Industrie"
(kurz: "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken") um, über das hier
berichtet werden soll.
1. Einleitung
Mit dem Projekt "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" wird das Ziel
verfolgt, die Online-Nutzung externer Datenbanken im Bereich der
Chemie für Endnutzer zu etablieren, zu stabilisieren und zum
selbstverständlichen
Bestandteil des methodisch-wissenschaftlichen Instrumentariums zu
machen. Der BMFT hat in den vergangenen Jahren wichtige Schwerpunkte
bei der Förderung der Produktion elektronischer Datenbanken gesetzt,
wovon die Chemie in großem Maße profitiert hat. Wenn die Akzeptanz
dieser Fachinformation bisher noch zu wünschen übrig ließ, kann mit
der Endnutzerförderung diesem Mangel nicht nur an Hochschulen begegnet
werden, sondern auch Industrie und Wirtschaft mit akzeptabler zeitlicher
Perspektive geschultes Personal zur arbeitsplatznahen Informationsbeschaffung
zur Verfügung gestellt werden. Die Nutzung elektronischer Datenbanken
durch den Wissenschaftler selbst, das Endnutzerkonzept, ist in vielen
Fällen effektiver als die Inanspruchnahme einer Informationsvermittlungsstelle.
Diese Meinung wird aufgrund der hochgradig spezifischen Informationsprobleme
und der Komplexität des Retrievals in der Chemieinformation auch
von Informationsvermittlern vertreten. Als "Endnutzer" sehen wir hier
den Personenkreis der Doktoranden, Diplomanden und des wissenschaftlichen
Personals. Dieser Endnutzer kennt und stellt sein Informationsproblem
selbst, recherchiert die benötigten Informationen in Datenbanken,
bewertet diese Informationen und verarbeitet sie weiter.
Die Gesellschaft Deutscher Chemiker zählt nach ihrer im Jahre 1992
geänderten Satzung auch die Förderung von modernen Informationssystemen
zu ihren Aufgaben. Die GDCh nimmt die Gesamtleitung und Steuerung
des Verbundprojekts "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" wahr. Sie
unterstützt den Projektnehmer bei der Antragstellung und bei der Durchführung
des Projekts.
Im folgenden werden die Randbedingungen, Inhalte und Ziele des Projekts
näher beschrieben.
2. Laufzeit
- 01. 11. 1993 - 30. 06. 1994 (Vorphase, GDCh)
- 01. 07. 1994 - 30. 06. 1997 (Hauptphase)
- 01. 07. 1997 - 31. 12. 1997 (Nachphase, GDCh)
3. Finanzierung
- Gesamtvolumen:
- 17.923.042 DM
- Zuwendung:
- 9.813.271 DM
- Förderquote:
- 54,8 %
- Eigenmittel:
- 8.109.771 DM
4. Zielgruppen
- 59 Fachbereiche Chemie (einschließlich Lebensmittelchemie, Biochemie,
Pharmazie), darunter 13 in den neuen Bundesländern, in 57 Teilprojekten
an 55 Hochschulen inklusive 6 Chemiefachbereiche an Fachhochschulen.
- ca 10.000 Diplomanden, Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiter,
die während der Projektlaufzeit in der Nutzung elektronischer Fachinformation
ausgebildet werden.
- 60 GDCh-Ortsverbände mit insgesamt 27.000 Mitgliedern aus Wissenschaft,
Wirtschaft, Behörden und Freien Berufen.
- ca. 140 GDCh-Mitgliedsfirmen.
Die Fachbereiche Chemie der Universitäten in Heidelberg, Karlsruhe,
Regensburg, München, Essen, Bayreuth und Clausthal-Zellerfeld beteiligen
sich aus unterschiedlichen Gründen nicht am Projekt. Eine Übersicht
über die teilnehmenden Fachbereiche ist in der Tabelle zu finden.
Teilnehmer am Projekt "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken"
- Hochschule
- Struktureinheit
- Projektleiter
- Baden-Württemberg
- Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
- Fakultät für Chemie und Pharmazie
- Prof. Dr. G. Thiele
- Universität Konstanz
- Fakultät für Chemie
- Prof. Dr. G. Müller
- Universität Stuttgart
- Fakultät 3 - Chemie
- Prof. Dr. H. Bertagnolli
- Eberhard-Karls-Universität Tübingen
- Fakultät für Chemie und Pharmazie
- Prof. Dr. G. Gauglitz
- Universität Ulm
- Fakultät für Naturwissenschaften / Fach Chemie
- Prof. Dr. W. Witschel
- Bayern
- Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
- Naturwissenschaftliche Fakultät II
- Priv.-Doz. Dr. R. Herges
- Technische Universität München
- Fakultät für Chemie, Biologie und Geowissenschaften
- Priv.-Doz. Dr. J. Brandt
- Georg-Simon-Ohm Fachhochschule Nürnberg
- Fachbereich Technische Chemie
- Dipl.-Ing. P. Mittermeier
- Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
- Fakultät für Chemie und Pharmazie
- Prof. Dr. J. Grotemeier
- Berlin
- Freie Universität Berlin
- Fachbereich Chemie
- Priv.-Doz. Dr. B. Kirste
- Humboldt-Universität zu Berlin
- Institut für Chemie
- Dr. M. Schönherr
- Technische Universität Berlin
- Fachbereich 5 - Chemie
- Prof. Dr. W. Koch
- Brandenburg
- Universität Potsdam
- Mathematisch - Naturwissenschaftliche Fakultät
- Dr. G. Gottlöber
- Bremen
- Universität Bremen
- Fachbereich 2 - Chemie / Biologie
- Prof. Dr. F.-P. Montforts
- Hamburg
- Universität Hamburg
- Fachbereich Chemie
- Prof. Dr. B. Meyer
- Hessen
- Technische Hochschule Darmstadt
- Fachbereich 7 - Chemie
- Prof. Dr. P. C. Schmidt
- Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt (M)
- Fachbereich 14 - Chemie und
Fachbereich 15 - Biochemie, Pharmazie und Lebensmittelchemie
- Prof. Dr. D. Rehm
- Justus-Liebig-Universität Gießen
- Fachbereich 14 - Chemie
- Prof. Dr. J. Ipaktschi
- Universität - Gesamthochschule - Kassel
- Fachbereich 19 - Chemie / Biologie
- Priv.-Doz Dr. I. Stahl
- Philipps-Universität Marburg
- Fachbereiche Chemie und Physikalische Chemie
- Prof. Dr. G. Frenking
- Philipps-Universität Marburg
- Fachbereich Pharmazie und Lebensmittelchemie
- Dr. T. Kämpchen
- Mecklenburg-Vorpommern
- Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
- Fachbereich Chemie
- Prof. Dr. D. Haberland, Dr. L. Schwarz
- Universität Rostock
- Fachbereich Chemie
- Prof. Dr. H. Oehme, Dr. R. Wustrack
- Niedersachsen
- TU Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
- Fachbereich 3 - Chemie, Pharmazie und Biowissenschaften
- Prof. Dr. D. Schinzer
- Fachhochschule Ostfriesland
- Fachbereich Naturwissenschaftliche Technik
- Prof. Dr. W. Gombler
- Georg-August-Universität Göttingen
- Fachbereich Chemie
- Prof. Dr. A. de Meijere, Dr. B. Knieriem
- Universität Hannover
- Fachbereich Chemie
- Prof. Dr. H. Duddeck
- Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
- Fachbereich 9 - Chemie
- Prof. Dr. G. Kaupp, Prof. Dr. J. Metzger
- Universität Osnabrück
- Fachbereich 5 - Chemie / Biologie
- Prof. Dr. R. Blachnik
- Nordrhein-Westfalen
- RWTH Aachen
- Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Fachgruppe Chemie
- Prof. Dr. H. Höcker
- Universität Bielefeld
- Fakultät für Chemie
- Prof. Dr. H.-F. Grützmacher
- Ruhr-Universität Bochum
- Fakultät für Chemie
- Prof. Dr. W. Sander, Dr. R. Siegfried
- Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
- Fachgruppe Chemie
- Prof. Dr. H. Wamhoff
- Universität Dortmund
- Fachbereich Chemie
- Prof. Dr. P. Bleckmann
- Universität - Gesamthochschule - Duisburg
- Fachbereich 6 - Chemie
- Prof. Dr. D. Döpp
- Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
- Fachgruppe Chemie
- Prof. Dr. W. Kläui
- Universität zu Köln
- Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät / Fachgruppe Chemie
- Prof. Dr. U. Deiters
- Fachhochschule Niederrhein
- Fachbereich Chemie
- Prof. Dr. W. Becker
- Westfälische Wilhelms-Universität Münster
- Fachbereich 17 - Chemie
- Prof. Dr. H. Züchner
- Fachhochschule Münster
- Fachbereich Chemieingenieurwesen
- Prof. Dr. C. Bliefert, Prof. Dr. K. Niederdrenk
- Universität - Gesamthochschule - Paderborn
- Fachbereich 13 - Chemie u. Chemietechnik
- Prof. Dr. G. Fels
- Universität - Gesamthochschule - Siegen
- Fachbereich 8 - Chemie / Biologie
- Dr. W. Demuth
- Bergische Universität - Gesamthochschule - Wuppertal
- Fachbereich 9 - Chemie
- Prof. Dr. H.-J. Altenbach
- Rheinland-Pfalz
- Universität Kaiserslautern
- Fachbereich Chemie
- Prof. Dr. H. Bockhorn
- Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- Fachbereich 19 - Chemie und Pharmazie
- Prof. Dr. H. Meier
- Saarland
- Universität des Saarlandes
- Fachbereich 11 - Chemie
- Prof. Dr. H.-P. Beck
- Universität des Saarlandes
- Fachbereich 12 - Pharmazie und Umwelttechnologie
- Prof. Dr. R. W. Hartmann
- Sachsen
- Technische Universität Chemnitz-Zwickau
- Fakultät für Naturwissenschaften / Bereich Chemie
- Prof. Dr. G. Marx
- Technische Universität Dresden
- Fachrichtung Chemie und Lebensmittelchemie
- Prof. Dr. R. Salzer, Dr. habil. Habicher
- Hochschule für Technik und Wirtschaft (FH)
- Fachbereich Maschinenbau / Verfahrenstechnik;
Studiengang Chemieingenieurwesen / Umwelttechnik
- Prof. Dr. E. Hermann, Prof. Dr. S. Focke
- TU Bergakademie Freiberg
- Fakultät für Chemie und Physik
- Prof. Dr. M. Otto
- Universität Leipzig
- Fakultät für Chemie und Mineralogie
- Prof. Dr. G. Werner, Dr. J. Böhm
- Sachsen-Anhalt
- Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
- Fachbereich Chemie
- Doz. Dr. R. Friedemann
- Fachhochschule Merseburg
- Fachbereich Chemie- und Umweltingenieurwesen
- Prof. Dr. H. Hartmann
- Schleswig-Holstein
- Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
- Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
- Sektion Chemie / Pharmazie
- Prof. Dr. W. Friedrichsen, Dr. K. Bluhm
- Thüringen
- Friedrich-Schiller-Universität Jena
- Chemisch - Geowissenschaftliche Fakultät
- Dr. B. Nestler
- Friedrich-Schiller-Universität Jena
- Biologisch - Pharmazeutische Fakultät
- Dr. I. Weiß
5. Projektpartner
- Host und Datenbankproduzenten (STN International/FIZ Karlsruhe, FIZ
Chemie, Beilstein-Institut, Gmelin-Institut, Chemical Concepts).
- Schulungsanbieter (FIZ Karlsruhe, FIZ Chemie, TT Heidelberg, WIND
Köln, OTTI Regensburg und einige private Anbieter).
6. Ziele
- Heranführen aller Hochschulabsolventen der Chemie an die
Endnutzung elektronischer Fachinformation (Zusatzqualifikation).
- Effizienzsteigerung der aktuellen Forschung durch Online-Recherchen
am Arbeitsplatz (Effizienz).
- Verankerung der Nutzung moderner elektronischer Fachinformation in
den Curricula der Chemie (Kontinuität).
- Transfer dieser Fähigkeiten auf die Arbeitsplätze in Wirtschaft und
Verwaltung (Ergebnistransfer).
- Stärkere Beteiligung der Nutzer an den Datenbankkosten
(Umfinanzierung).
- Bewertung des öffentlichen Datenbankangebots (Evaluierung).
7. Aufgaben der Projektleitung
Die Aufgaben der Projektleitung liegen nach der Anlage des Verbundprojekts
in vier Bereichen:
- Projektmanagement;
- Schulung;
- Wissenschaftliche Begleitung;
- Industriekontakte und Ergebnistransfer.
7.1. Projektmanagement
Das Projektmanagement hat insgesamt die Kontakte zu den Hochschulen
zu pflegen, das Schulungskonzept durchzusetzen, die Qualität der
externen und internen Schulungen zu kontrollieren und zu bewerten
und die Nutzung der Datenbanken zu evaluieren. Es wird die Fachbereiche
beim Softwareerwerb beraten und unterstützen und bei auftretenden
Hardwareproblemen
(z. B. Netzanbindung) die notwendige Hilfe vermitteln. Das Projektmanagement
wird die geplanten Workshops inhaltlich und organisatorisch vorbereiten,
die Anträge und Verträge der Fachbereiche aus- und bearbeiten und
mit den Datenbankherstellern und dem Hostbetreiber in ständigem Kontakt
stehen, um auch ein Angebot für die Fachbereiche nach Ende des Projekts
zu vermitteln. Eine weitere Aufgabe besteht in der Erfassung, Auswertung
und Weiterleitung der eingehenden Daten an die Fachbereiche. Das
Projektmanagement wirbt im Rahmen des Projekts für die Nutzung der
deutschen Datenbanken und gibt den Datenbankherstellern, Softwareproduzenten
und Verlagen die Möglichkeit, sich auf Veranstaltungen im Rahmen des
Projekts "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" zu präsentieren.
7.2. Schulung
7.2.1. Ziele der Schulungsmaßnahmen
Für den Komplex Schulungen innerhalb des Projekts "Endnutzerförderung
Chemiedatenbanken" ergeben sich die nachstehenden Zielstellungen:
Die Vermittlung von Kenntnissen über den Aufbau von Datenbanken sowie
der notwendigen Retrievalsprachen. Dieses Wissen bildet die Voraussetzung
zur Suche in den Datenbanken. Es ermöglicht auch, sich in unbekannten
Files zurechtzufinden und eigene Datenbanken aufzubauen.
Die präzise Formulierung des Rechercheproblems und Ableitung der
am schnellsten zum gewünschten Ziel führenden Suchstrategie.
Die Wichtigkeit
dieses Punktes ergibt sich aus der Struktur der anfallenden Recherchekosten
und dem Wunsch, ein umfassendes und vor allem, ein vollständiges
Ergebnis zu bekommen.
Die Aneignung von Kenntnissen über die für den Chemiker
interessanten, verfügbaren Datenbanken und der daraus resultierenden
Auswahl des relevanten Files.
Dadurch soll initiiert werden, daß der Wissenschaftler
nicht die Datenbank wählt, in der er mit großer Wahrscheinlichkeit
etwas findet (ein Verhalten, das z. Z. noch in relativ hohem Maße die
Suchstrategie bestimmt), sondern diejenige, die die gesuchten Informationen
enthält.
Die Möglichkeiten zur Kostenminimierung bei der Online-Recherche.
Hier kann aber nur ein Stand der Dinge vermittelt werden, da es von
der Preispolitik der Hosts und Datenbankproduzenten abhängt, wann
z.B. welche Display-Formate preisreduziert oder kostenlos sind. Man
kann den zu Schulenden aber dafür sensibilisieren, so daß er auch später
weiß, in welche Richtung er sich informieren muß.
Der Aufbau eigener, persönlicher Datenbanken. Es kommt hier darauf
an, daß die Lehrgangsteilnehmer mit der gewonnenen Information auch
nach deren unmittelbarer Auswertung bzw. Verwertung ökonomisch umgehen,
d. h. das Wissen darf nicht verloren gehen, sondern muß auch für spätere
Problemlösungen greifbar sein. Damit eng im Zusammenhang steht allgemein
die Aufbereitung und Pflege von aus verschiedenen Quellen (Datenbanken,
Forschungsarbeit, gedruckte Informationsquellen usw.) gewonnenen
Daten.
Die Ausbildung von qualifiziertem, internem Schulungspersonal in
den Fachbereichen. Dieses Schulungsziel ist von besonderer Bedeutung,
da es auf lange Sicht nur dann möglich ist, die Kontinuität der Maßnahmen
auch über das Projektende hinaus zu wahren, wenn die Fachbereiche
in der Projektlaufzeit befähigt werden, die Schulungen mit eigenen
Mitteln und mit eigenem Personal fortzuführen.
Wie weiter oben erwähnt, ist der erreichte Stand auch in bezug auf
die Ausbildung der Studenten in der Online-Datenbankrecherche an
den einzelnen Fachbereichen recht unterschiedlich. Darum wird eine
Wichtung der genannten Schwerpunkte in Abhängigkeit von den konkreten
Bedingungen in der Lehreinrichtung notwendig und auch möglich sein.
7.2.2. Zielgruppen und zeitliches Konzept
Als Endnutzer im oben genannten Sinne kommen an den Fachbereichen
bzw. Fakultäten für Chemie die folgenden Personenkreise in Frage:
-
- a) die Diplomanden
- b) die Doktoranden und
- c) das festangestellte wissenschaftliche Personal.
Mit einer kurzfristigen Einbindung der im Projekt verfolgten Ziele
in die Ausbildung der Studenten kann auf Grund der Zuständigkeit
der Bundesländer für die Lehrpläne an den deutschen Hochschulen nicht
gerechnet werden. Nur in Ausnahmefällen ist dies möglich, wenn durch
entsprechend starke Protagonisten der elektronischen Informationsbeschaffung
die Einbindung in die Lehrpläne bereits erfolgt ist oder aber angestrebt
wird. In den ersten Projektjahren muß deshalb davon ausgegangen
werden, daß die Schulungsmaßnahmen in den laufenden Studienbetrieb
eingeschoben werden müssen bzw. aufgesetzt werden und darüber hinaus
diese auf fakultativer Basis den Studenten als Zusatzangebot zur "Weiterbildung"
unterbreitet werden. Die bisherigen Gespräche haben aber gezeigt,
daß das Interesse bei den Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern
sehr groß ist.
Um den geschilderten Umständen gerecht zu werden, wird das in Abb. 1
skizzierte zeitliche Konzept verfolgt. Begonnen werden sollte nach
Möglichkeit (sofern nicht die Studienpläne bzw. andere fachbereichsspezifische
Gründe dagegen sprechen) mit den Doktoranden im zweiten Jahr der
Promotionsarbeit.
Folgende Gründe sprechen dafür:
a) Eine Unterbringung der Maßnahmen in den laufenden Studienbetrieb
ist bei ihnen am einfachsten, da sich eine Änderung in ihrem Ausbildungsprogramm
auf unterer Ebene (Institut / Arbeitsgruppe) organisieren und absprechen
läßt.
b) Durch den relativ nahen Eintritt ins Berufsleben ist gewährleistet,
daß die weiterführenden Ziele der GDCh ("Rückkopplung" aus der Industrie,
d. h. Abforderung der Kenntnisse in der Literaturrecherche in elektronischen
Medien) relativ früh zum Tragen kommen können.
c) Es wird eine Minimierung der "Schulungsverluste" erreicht; der überwiegende
Anteil der jetzt in der Ausbildung befindlichen Studenten bzw. Doktoranden
wird erfaßt. Eine generelle Einbeziehung der Doktoranden im letzten
Jahr der Promotion erscheint wenig sinnvoll, da diese sicherlich mit
der Abfassung ihrer Dissertation bzw. abschließenden Arbeiten beschäftigt
sind. Wenn im Einzelfall der Wunsch bestehen sollte, so können natürlich
auch diese Doktoranden in die Ausbildung integriert werden.
d) Doktoranden im zweiten Jahr der Promotionsarbeit können die neu
erworbenen Kenntnisse noch in ihrer verbleibenden Zeitspanne an der
Hochschule in der Forschung verwenden.
Zu den Doktoranden kommen pro Studienjahr und Fachbereich noch durchschnittlich
5-10 weitere Kursteilnehmer aus dem Kreis des festangestellten
wissenschaftlichen
Personals hinzu. Sie sollen als Multiplikatoren an den Fachbereichen
wirken und auf mittelfristiger Ebene die Schulung in vollem Umfang
selbst durchführen.
Im Laufe des Projekts werden, in Abhängigkeit von den Kapazitäten,
neben den verbleibenden Doktoranden in immer stärkeren Maße die
Diplomanden einbezogen (siehe Abb. 1), bis die Schulungsinhalte im
Idealfall in den Semestern vor der Diplomphase (S44) in einer zweckerfüllenden
Art und Weise in die Ausbildung der Chemiestudenten fest eingebunden
sind, damit die Vorzüge der elektronischen Informationsbeschaffung
schon im Studium zum Tragen kommen können. Dieses Ziel wird an allen
Fachbereichen nicht in der gleichen Zeitspanne zu erreichen sein,
da hier die momentan herrschenden bzw. erreichten Bedingungen von
eminenter Bedeutung sind. Deshalb darf der Zeitplan nicht als starres
Schema angesehen werden, sondern muß für jeden Fachbereich spezifiziert
werden. Wichtig ist auf jeden Fall, daß die Kontinuität der Ausbildung
nach Projektabschluß gewahrt wird.
(Abb. 1: Zeitliches Konzept der Endnutzerschulung; z.Zt. nicht
verfügbar)
7.2.3. Inhaltliche Konzeption der Schulung
Der Schulungsblock von 10 Tagen wird in verschiedene Abschnitte unterteilt.
Zwischen diesen Abschnitten werden die Kursteilnehmer Zeit und Gelegenheit
erhalten, um das Gelernte zu verarbeiten und um üben zu können. Die
Dauer dieser Zwischenphasen hängt neben den terminlichen Bedingungen
von Seiten der Lehrkräfte natürlich auch vom Studienplan an den Hochschulen,
der Verfügbarkeit von Schulungsräumen (in der Regel sollen die Schulungen
in den an den Hochschulen vorhandenen Rechnerpools erfolgen) und anderen
Dingen ab. Auch hier ist eine hohe Flexibilität des Konzepts gefragt.
Zur allgemeinen Formulierung des Schulungsziels sei an dieser Stelle
Herr E. Zaß von der ETH Zürich zitiert: "Das Ausbildungsziel sind nicht
spezialisierte Rechercheure, sondern Chemiker, die einen kritischen
Überblick über alle Methoden und Medien haben, die Recherchen selbst
durchgeführt haben, und deshalb mit zusätzlichen Schulungen in der
Lage sind, solche später auch routinemäßig durchzuführen; Chemiker,
die Vielfalt und Problematik des Informationsangebots erlebt haben
und auch wissen, wann sie einen Spezialisten zuziehen müssen, dem sie
dann ein kompetenter Partner bei der Recherche sein können." In diesem
Sinne ist das Schulungskonzept angelegt. Im einzelnen sind die folgenden
Themenkomplexe geplant:
- Abschnitt A
- Thema:
- Softwareschulung
- Dauer:
- 2 Tage; möglichst vor Beginn der Schulungen an den Fachbereichen
- Zielgruppe:
- zukünftige Multiplikatoren und, je nach Bedarf, die Softwareexperten
des Fachbereichs (insgesamt max. 10 Personen)
- Inhalt:
- STN-Express und das STN Personal File System (je einen Tag)
- Diese Schulungen werden ausschließlich von den Fachleuten des FIZ Karlsruhe
durchgeführt und sollen gewährleisten, daß es im Verlauf der Schulungsmaßnahmen
kompetente Ansprechpartner im FB in bezug auf die genannte Software
gibt, die auch in der Lage sind, kleinere Probleme bei der Nutzung
zu lösen.
- Abschnitt B
- Thema:
- Grundlagen der Recherche in elektronischen Medien
- Dauer:
- 1 bis 2 Tage
- Zielgruppe:
- für die Schulung vorgesehener Teilnehmerkreis (Doktoranden, festangestelltes
wissenschaftliches Personal und, je nach Kapazitäten und Interesse,
Diplomanden)
- Inhalt:
- Grundbegriffe der elektronischen Informationsvermittlung (Aufbau- und
Typen von Online-Datenbanken, Datenbankenhosts, Anbieter, Hersteller
usw.);
Kosten von Recherchen und technische Voraussetzungen;
Retrievalsprache Messenger;
Demonstration der Rechercheplanung und -durchführung;
Kurzvorstellung spezieller Kommunikations- und Datenbankensoftware
für Recherche und Verwaltung der Ergebnisse;
CD-ROM-Systeme;
Online-Hilfesysteme und deren Verwendung;
praktische Übungen an einfachen Beispielen.
- Abschnitt C
- Thema:
- Spezieller Komplex zu den im Schulungspaket angebotenen Chemiedatenbanken
mit Schwerpunktsetzung in Bezug auf die Datenbankenauswahl (z.B. nach
Forschungsschwerpunkten)
- Dauer:
- 5 bis 6 Tage (pro Datenbank durchschnittlich 1 Tag)
- Zielgruppe:
- für die Schulung vorgesehener Teilnehmerkreis (Doktoranden, festangestelltes
wissenschaftliches Personal und, je nach Kapazitäten und Interesse,
Diplomanden)
- Inhalt:
- Tiefergehende Vorstellung und Erläuterung der Besonderheiten
ausgewählter
Datenbanken aus dem Paket (BEILSTEIN, CEABA, CHEMINFORM RX, DETHERM,
GMELIN, KKF, POLYMAT, SILICA, SPECINFO, TRIBO, VTB); Struktur- und
Faktenretrieval;
Festigung des im ersten Abschnitt erlangten Grundwissens und weitere
Vertiefung der Kenntnisse an Hand dieser Datenbanken;
Crossover Recherchen; Online-Support; Kostenverfolgung und Einsparpotentiale
(Gebührenstrukturen bei Kommunikationsnetzen und Datenbanken);
Praktische Übungen mit Bezug auf die eigene Forschungsarbeit der
Lehrgangsteilnehmer.
- Abschnitt D
- Thema:
- Patentwesen und Patentinformation
- Dauer:
- 2 bis 3 Tage
- Zielgruppe:
- für die Schulung vorgesehener Teilnehmerkreis (Doktoranden, festangestelltes
wissenschaftliches Personal und, je nach Kapazitäten und Interesse,
Diplomanden)
- Inhalt:
- Grundbegriffe des Patentwesens (Patentrecht, Gliederung der Patentschriften,
Patentklassifikation);
Inhalte und Strukturen von Patentdatenbanken;
Patentanalyse;
Formen der Patentrecherchen (Namensrecherchen, Recherchen zum Stand
der Technik, Patentüberwachung usw.);
Übungen zur Thematik (CD-ROM; LWPI)
- Abschnitt E
- Thema:
- Expertenkurse
- Dauer:
- vom Thema abhängig
- Zielgruppe:
- Multiplikatoren aus den Reihen des festangestellten wissenschaftlichen
Personals
- Inhalt:
- Teilnahme an Kursen zur Weiterbildung und Auffrischung der
Kenntnisse der internen
Schulungskräfte bei kommerziellen Schulungsanbietern.
Die vorgeschlagenen Zeiträume von 6 bis 8 Wochen zwischen den einzelnen
Abschnitten sind kein starres Dogma und können bzw. müssen sogar an
die Bedingungen der Fachbereiche angepaßt werden.
Auch für die Schulungsinhalte gilt: Je nach Stand der Fachbereiche
in der Frage der Ausbildung der Studenten in der Informationsbeschaffung
mit Hilfe von Online-Datenbanken können in den Komplexen bestimmte
Schwerpunkte gesetzt werden. So liegt es auf der Hand, daß man sich
in relativ weit fortgeschrittenen Fachbereichen nicht mit den Grundlagen
lange aufhält, sondern z. B. stärkere Akzente auf die Patendatenbanken
o. ä. setzt.
7.3. Wissenschaftliche Begleitung
Mit der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts "Endnutzerförderung
Chemiedatenbanken" durch das Projektmanagement soll die quantitative
und qualitative Beeinflussung der Forschung durch die Nutzung elektronischer
Fachinformation und umgekehrt die Rückwirkung der Forschung auf die
elektronische Fachinformation ermittelt werden. Dabei müssen zum
Teil neuartige Fragestellungen zur quantitativen und qualitativen
Erfassung von Forschungsleistung, Forschungsart und Informationsfluß
behandelt werden, über deren Erfolg noch keine Aussage möglich ist.
Insbesondere sind folgende Fragestellungen zu klären:
Wie ändert sich das Nutzungsverhalten für die einzelnen
Datenbanken?
Speziell interessiert hier das Verhältnis von CAS-Online zu den deutschen
Datenbanken im Forschungsprozeß.
Wird mit der Nutzung elektronischer Fachinformation durch den Forschenden
tatsächlich eine Effektivitätssteigerung erreicht und der Forschungsprozeß
beschleunigt?
Diese Fragestellung erscheint trivial, da in der Regel
von einer Bejahung ausgegangen wird. Ziel soll es daher sein, allgemeingültige
Kriterien zur Beurteilung und Bewertung zu formulieren, die die
Effektivitätssteigerung
eindeutig nachweisen (Meßbarkeit der Beschleunigung des Forschungsprozesses).
Wird durch die Möglichkeit auf einen massenhaften Informationszugriff
die Art der Forschung verändert?
Diese Fragestellung liegt nahe, da
die Information andersartig (umfassender, vollständiger) ist.
Wird dadurch auch die Art der Forschung besser (umfassender)?
Diese Frage
ist sehr interessant. Allerdings dürfte ihre Beantwortung auch sehr
schwierig sein (Problem der Meßbarkeit).
Werden durch den massenhaften Zugriff auf elektronische Fachinformation
die Diskussionen der Forschenden über fachliche Probleme quantitativ
und qualitativ beeinflußt?
Diese Fragestellung erscheint besonders
unter dem Aspekt des wissenschaftlichen Meinungsstreits unter den
Studenten interessant.
Kann die richtige Art der Schulung dazu führen, daß
mögliche Anwendungsbezüge der Forschung besser gesehen werden?
Kann man die spezielle Suche nach Anwendungsmöglichkeiten der erhaltenen
Forschungsergebnisse in den Datenbanken bewirken?
Die Beantwortung der genannten Fragestellungen ist nicht trivial, da
es für die Evaluierung von Forschungsleistung, Forschungsart und
Informationsfluß
durch die Nutzung von Datenbanken keine triviale Methodik gibt.
Ziel ist es, über eine genaue Erhebung und statistische Auswertung
der Datenbanknutzung und eine (möglicherweise modellhafte) Befragung
zum Recherchezweck obige Fragestellungen zu beantworten. Hierbei
sind alle Informationsquellen (FIZe, Fachbereiche, Datenbankproduzenten)
zu nutzen, um möglichst vollständiges Zahlenmaterial und allseitige
Informationen zu erhalten.
Naturgemäß kann mit der Evaluierung der Datenbanknutzung und der Bewertung
des Einflusses auf den Forschungsprozeß erst begonnen werden, wenn
genügend statistisches Material vorliegt. Daher wird ständig, von
Beginn des Schulungsgeschehens am 1. 10. 1994 an, das Fortschreiben
der Nutzungszeiten (getrennt nach den einzelnen Datenbanken des Projekts,
CA, REGISTRY und CASREACT) notwendig sein. Die Arbeiten zur statistischen
Auswertung und zur Bewertung werden 1996 und 1997 erfolgen.
Das Projektmanagement wird im Laufe des Projekts nach weiteren modernen
EDV-gestützten Werkzeugen suchen (Software), diese bewerten und
ggf mit dem Ziel nach neuen Ergebnissen im Forschungsprozeß (Art
der Verknüpfung) empfehlen.
Eine weitere Aufgabe wird es sein, inhaltliche Lücken in den Datenbanken
aufzuspüren und den Datenbankproduzenten bestimmte Wünsche der Kunden
zu übermitteln.
7.4. Industriekontakte und Ergebnistransfer
Mit dem Begriff Diplomchemiker bzw. promovierter Chemiker sollte in
Zukunft die für das gesamte Berufsfeld wichtige Information verbunden
sein, daß der Absolvent Informationen aus elektronischen Datenbanken
recherchieren kann, wozu heute nur wenige Prozent der Firmen mit
ihrem Personal in der Lage sind (arbeitsmarktpolitische Komponente).
In den letzten Monaten hat sich der Trend verstärkt, zentrale
Informationseinrichtungen
in der Industrie zu schließen, d. h., man schafft die zentralen
Informations-Dokumentations-Abteilungen ab.
Das ist vor allem darauf zurückzuführen,
daß kleinere Wirtschaftseinheiten (Bereiche) eine große zentrale Abteilung
nur sehr schwer finanzieren können. Da man aber auf die Information
nicht verzichten kann heißt das, daß sich jeder Chemiker diese Informationen
selbst beschaffen können muß. Daraus ergeben sich für das Projektmanagement
eine Reihe wichtiger Aufgaben, vor allem aber die Realisierung eines
ständigen Kontaktes zur Chemischen Industrie für die Dauer des Projekts
"Endnutzerförderung Chemiedatenbanken".
Das Projektmanagement organisiert in Zusammenarbeit mit den Abteilungen
Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit sowie Tagungen und Fortbildung
ein zukünftiges Fortbildungsprogramm für Mitarbeiter in der Industrie
(Fortbildungseffekte).
Das Projektmanagement trägt dafür Sorge, daß das mittlere und gehobene
Management der chemischen Industrie über die Ziele und den Stand
im Projekt "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" informiert ist.
Das Projektmanagement wird im Laufe des Projekts auch Randgruppen
der Chemie, die sich mit Material- und Stoffwandlungsproblemen beschäftigen,
einbeziehen. Dem wird immer das Ziel zugrunde liegen, unter den gegebenen
Voraussetzungen eine verstärkte Nutzung der deutschen Datenbanken
zu bewirken.
Kleine und mittelständische Unternehmen sind gegenwärtig nicht in
der Lage, die benötigten Informationen in der erforderlichen Qualität
und Quantität zu beschaffen (Kosten, organisatorische Engpässe,
etc.). Daher ist die GDCh bestrebt, durch ein systematisches Herangehen
besonders die Klein- und mittelständischen Unternehmen anzusprechen.
Dies wird eine Aufgabe des Projektmanagements im Projekt in Zusammenarbeit
mit dem GDCh-Projekt "Forschungsführer" sein (Technologietransfer).
Eine Diskussion über etwaige Berührungspunkte mit dem BMFT-Projekt
MIKUM des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln hat es im September
1994 gegeben.
Die GDCh hat am Projekt "Endnutzerförderung Chemiedatenbanken" großes
Eigeninteresse. Die Chemie war als Wissenschaft und teilweise auch
als Wirtschaftszweig in den letzten Jahren, anteilig gesehen, ziemlich
mit sich selbst zufrieden. Die GDCh möchte als Ansprechpartner für
alle Probleme in der Industrie bei Stoffwandlungen einen Transfer
von Gedankengut aus der Industrie in die Grundlagenforschung katalysieren.
8. Schlußbemerkungen
Das vorliegende Konzept dient dazu, die Absolventen der Fachrichtung
Chemie der deutschen Hochschulen zu befähigen, in den verschiedensten
Datenbanken im Sinne einer "Fahrerlaubnis" zu recherchieren. D. h.,
in dieser relativ kurzen Kursdauer werden keine Profis ausgebildet.
Nur durch ständiges Üben wird der angehende Rechercheur sein Fahrzeug
beherrschen lernen, sprich die Datenbanken optimal nutzen können.
Die Studenten werden an den Umgang mit modernen Werkzeugen herangeführt
(Vermeidung des modernen Analphabetismus). Nachdem durch die öffentliche
Hand mit erheblichen Mitteln dafür die besten Voraussetzungen geschaffen
worden sind, besteht an den Hochschulen die Verpflichtung zur
überdurchschnittlichen
Nutzung der elektronischen Fachinformation und damit der objektive
Zwang zur Ausbildung in der Handhabung derartiger Medien.
Die Zielrichtung des Vorhabens ist geeignet, die elektronische Fachinformation
in die Lehre einzubinden. Die Einbindung von Lehrveranstaltungen
zur Nutzung elektronischer Fachinformation in das Curriculum ist
im Zeitrahmen des Projekts möglicherweise schwer realisierbar. Es
ist auch die Frage, ob eigene Lehrveranstaltungen ausgewiesen werden
müssen oder ob nicht bei bestimmten Lehrveranstaltungen (z. B. Seminare
zu Fortgeschrittenenpraktika) eine Hinzufügung in diesem Sinne angebracht
ist. Auf Grund der Rechtslage (befristete Verlängerung der
Rahmenprüfungsordnung)
werden voraussichtlich an vielen Fachbereichen Neufassungen der Prüfungs-
und Studienordnungen erforderlich. Die Unterweisung in den Hilfsmitteln
moderner Fachinformation sollte hier bzw. in den erläuternden ausführlichen
Studienplänen aufgenommen werden.
Dr. habil. Rainer Schütz, Projektmanager
Dr. Dirk Anwand, wiss. Mitarbeiter
HTML-Formatierung: Burkhard Kirste, 1994/11/14, 1994/11/25.