Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT), Bonn, 15.09.1994
Forschungs-Info Nr. 93/94

Wissen in der Chemie breitet sich über Datenbanken weltweit aus

Das weltweite Wissen in der Chemie explodiert. 13 Millionen chemische Substanzen sind heute registriert. Sie wachsen jährlich um etwa 600.000 an. Jede Minute wird eine neue chemische Formel entdeckt und alle drei Minuten ein neuer physikalischer Zusammenhang erkannt.

Zugriff auf über fünf Millionen Nachweise von organischen Substanzen

Diese Informationsflut ist nur noch mit Hilfe elektronischer Datenbanken zu bewältigen. Sie verschaffen einen schnellen, umfassenden und zielgenauen Zugang. So bietet das vom Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) geförderte Fachinformationszentrum Karlsruhe u.a. die deutschen Faktendatenbanken BEILSTEIN-Online, GMELIN-Online, SpecInfo, ChemInform RX und DETHERM an. Sie enthalten z.B. über fünf Millionen Nachweise von organischen Substanzen mit Angaben zu chemischer Struktur, Herstellung, Reaktionen und numerischen Eigenschaften seit 1779.

Die elektronischen Fachinformationen werden aber nur dann wirklich intensiv und selbstverständlich genutzt, wenn der Umgang damit bereits auf der Hochschule gelehrt und geübt wird. Hier gibt es noch Nachholbedarf. Informationsdatenbanken sind in Lehre und Forschung noch kein selbstverständliches Hilfsmittel wie etwa Handbücher und Arbeitsplatzrechner.

BMFT fördert Pilotvorhaben zum Umgang mit Datenbanken an Hochschulen

Das BMFT unterstützt deshalb die Initiative der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), diese Situation an den Hochschulen entscheidend zu verändern und der Nutzung chemischer Datenbanken in Ausbildung und Beruf des Chemikers zum Durchbruch zu verhelfen. An dem dreijährigen Pilotvorhaben der GDCh, das vom BMFT mit insgesamt 9,8 Mio. DM anteilig gefördert wird, nehmen 59 Fachbereiche der Chemie mit Verbindungen zu Pharmazie, Biologie, Umwelttechnik und Arbeitsschutz an Universitäten und Fachhochschulen, darunter 13 in den neuen Bundesländern, teil.

Ab Juli 1994 werden jährlich etwa 3.000 Doktoranden und Diplomanden in die Grundlagen und Nutzungsmöglichkeiten elektronischer Fachinformation eingeführt. Als sogenannte Endnutzer sollen sie - ohne Zwischenschaltung professioneller Informationsvermittler - in die Lage versetzt werden, benötigte Fachinformation aus externen Datenbanken für die Konzeption und Durchführung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten zeitnah und im nahen Umfeld ihrer Haupttätigkeit zu ermitteln, selbständig die Rechercheergebnisse mit eigenen gespeicherten Daten zu korrelieren und damit effizienter zu forschen.

Durch die Heranbildung eines Stamms von ca. 500 Mitarbeitern des festangestellten wissenschaftlichen Personals als kompetente Multiplikatoren soll die systematische Nutzung elektronischer Fachinformation in der Chemie nach Projektende als Teil der Standardausbildung im Haupt- oder Graduiertenstudium fest etabliert werden.

Zugang zu Datenbankinformationen schafft zusätzliche Qualifikation

Die Hochschulabsolventen der Chemie erhalten damit eine zusätzliche Qualifikation für ihre berufliche Tätigkeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Die GDCh wird bei ihren Mitgliederfirmen die Berücksichtigung dieser zusätzlichen Qualifikation in Stellenausschreibungen und bei Personaleinstellungen einfordern. In der chemischen Industrie, die ihre zentralen Informationsstrukturen zum Teil drastisch abbaut, können bisher nur wenige Endnutzer selbständig in externen Datenbanken recherchieren.

Durch die Beschäftigung derart qualifizierter Hochschulabsolventen wird es möglich sein, auch die Informationsaktualität und -qualität in den mittelständischen Unternehmen zu verbessern. Durch einen schnellen Zugriff zu den weltweiten Informationen könnten ihre Innovationschancen weiter steigen.

Bei der prekären Arbeitsmarktsituation besonders in der chemischen Industrie eröffnet die zusätzliche Qualifikation den Hochschulabsolventen auch die Chance, auf benachbarte Berufssparten, z.B. die Umwelttechnik, auszuweichen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Heindirk tom Dieck
Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)
Varrentrappstraße 40-42
60486 Frankfurt am Main

Tel.: (069) 7 91 73 20
Fax:  (069) 7 91 75 13

GDCh-BMFT-Projekt Endnutzerförderung Chemiedatenbanken


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